Nepal.

Eine Trekkingtour nach Langtang, Gosainkund und Helambu.

Hallo auf meiner Seite für Nepal - Langtang.
Dies ist die Beschreibung einer Trekking-Reise vom 15.03. bis 7.04.2001 in den Norden von Nepal, genauer gesagt, in den Langtang Nationalpark. Die Reiseroute folgte teilweise einem alten Pilgerpfad nach Lhasa, der Haupstadt des heute von China besetzten Tibets und Zentrum des tibetischen Buddhismus. Auch einige Bilder sind hier zu finden. Die Höhen- und Positionsangaben wurden mit Hilfe des GPS-Empfängers Garmin etrex ermittelt. Die Schreibweise der Orte kann sehr differieren, selbst an ein und demselben Haus kann der Ortsname unterschiedlich geschrieben sein. Für Langtang z.B. auch Langthang oder Langtrang.

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Allgemeines: Für Deutsche ist die Einreise relativ problemlos. Es wird ein Visum benötigt, welches über die Nepalesische Botschaft in Berlin innerhalb weniger Tage bezogen werden kann. Dazu ist ein Visumsantrag und der Reisepaß per Einschreiben einzusenden an:
Königlich Nepalesische Botschaft, Consular/ Visa Section, Guerickestr. 27, 10587 Berlin-Charlottenburg
Dem Schreiben ist weiterhin ein Verrechnungsscheck über 60,00 DM (Stand: Februar 2001), ein Paßfoto sowie ein adressierter und als Einschreiben frankierter Rückumschlag beizulegen. Der Antrag für das Visum kann als PDF-File unter www.nepalembassy-germany.com heruntergeladen werden. Ebenso ist der Erhalt des Visums auch direkt bei der Einreise möglich. Auf dem Flughafen in Kathmandu ist dann allerdings mit einer längeren Wartezeit zu rechnen. Dieses Visum hat eine Gültigkeitsdauer von sechs Monaten ab Tag der Ausstellung und berechtigt zur einmaligen Einreise und einem 60tägigem Aufenthalt in Nepal. Der Wechselkurs der Nepalesischen Rupie zur Deutschen Mark lag im März 2001 bei etwa 33:1. Kreditkarten besitzen keine hohe Akzeptanz; Geldautomaten, an denen man per Kreditkarte Bargeld bekommt, gibt es nur in Kathmandu. Auf dem Lande ist manchmal das Wechselgeld etwas knapp, man sollte also immer auch kleine Scheine haben. Die Rupie ist nicht frei konvertierbar, also darauf achten, daß am Ende der Reise nicht viel Geld übrig ist. Auf dem Flughafen in Kathmandu wird bei der Ausreise eine Gebühr von 1.100 Rupien erhoben. Diese kann auch in US-Dollar (ca. 15,00 USD) beglichen werden. Jeder Reisende sollte im Sinne der Erhaltung dieser schönen Umwelt die Vorschläge des ACAP (Annapurna Conservation Area Project) beherzigen. Bei Reisen in große Höhen ist auf eine ausreichende Akklimatisirungsphase zu achten. Hinweise zur Gesundheit auf Reisen sind in meiner Linkliste zu finden.
Gegenüber der Mitteleuropäischen Zeit MEZ besteht eine Verschiebung von +4h und 45min. Während der deutschen Sommerzeit verringert sich die Differenz auf +3h und 45min.

Kurze Geographie: Nepal liegt etwa auf der Höhe von Nordafrika. Die Hauptstadt ist das 1.400m hoch gelegene Kathmandu mit ca. 1Mio Einwohnern. Diese Zahl kann allerdings nur eine grobe Schätzung sein. Die Gesamtfläche Nepals entspricht der von Österreich und der Schweiz zusammen. Die Klimazonen können unterschiedlicher nicht sein. Vom tropischen Terai (ab 60m über NN) im Süden bis zu den hochalpinen Zonen des Himalaya (bis 8.848m) im Norden werden sämtliche Klimazonen auf kleinstem Raum eingeschlossen. Der Himalaya ist ein Faltengebirge, welches durch das Aufeinandertreffen der Indischen auf die Eurasische Platte vor ca. 140Mio Jahren aufgetürmt wurde. Diese Bewegung hält noch immer an; zahlreiche kleinere und größere Beben sind die Folge. Siedlungen sind auch in Höhen von 4.000m noch anzutreffen. Häuser noch weiter oben werden jedoch im allgemeinen nur im Sommer bewohnt. Diese Hütten bestehen meist aus ein paar trocken gesetzten Steinwänden. Das Dach wird erst im Früjahr bzw. Sommer aus Plastikplanen oder grob geflochtenem Korb aufgelegt. Die das Gebirge entwässernden Flüsse münden über kurz oder lang alle im heiligen Ganges. Durch die zunehmende Abholzung und das damit verlorengehende Speicherpotential wird auch die Bodenerosion und das gefährliche Anschwellen der Wassermassen gefördert. Die Energie des Wassers wird jedoch noch nicht ausreichend genutzt.

Geschichte: Gegen Ende des 14. Jh. baut König Jayasthitis einen geordneten Staat auf. Rechte und Pflichten der unterschiedlichen Kasten werden per Codex festgelegt. Mit dem Tod des Königs Yakshya 1482 zerfällt das Reich in vier Teile mit den Hauptstädten Kathmandu, Bhaktapur, Patan (Lalitpur) und Banepa. In den folgenden Jahren gibt es ständige Kämpfe zwischen diesen Reichen, jedoch nicht nur auf dem Schlachtfeld sondern auch auf dem baulichen Sektor (dazu sollten heutige Staatspräsidenten in der ganzen Welt übergehen!). Das führte zu einem Aufblühen des Handwerkes und dem Entstehen einer Vielzahl von Gebäuden. 1768/ 69 fallen die Königsstädte in die Hand von Prithvi Narayan Shah aus Gorkha. Dies gilt als Geburtsstunde des heutigen Nepals. Kathmandu wird zur Hauptstadt des neuen Reiches und die Shah-Dynastie besteht bis heute. Nepal greift die britische Kolonialmacht 1814 in Indien an, verliert jedoch. Die Briten sind von der Kampfkraft der Nepalesen jedoch derart beeindruckt, daß die legendären Gurkha-Regimenter gegründet werden. 1846: Der Offizier Jung Bahadur Kanwar läßt während einer Krisensitzung fast alle seiner politischen Gegner ermorden. Die Macht liegt nun in den Händen der sich Rana nennenden Dynastie dieses Offiziers. 1923 wird Nepal von Großbritannien als unabhängiger Staat anerkannt. Im 2. Weltkrieg kämpfen ca. 250.000 Gurkhas. Aufgrund indischer Vermittlung wird 1951 eine Koalitionsregierung aus Mitgliedern der Rana- und der Shah-Dynastien sowie der Nepali Congress Party gebildet. Der Neuseeländer Edmund Hillary und der Sherpa Tensing Norgay bezwingen 1953 den Mt. Everest. 1981 finden die ersten halbwegs freien Wahlen statt. 1990: die gravierenden Umwälzungen in Osteuropa schwappen selbst nach Nepal über. Nach massiven Protesten und einigen hundert Toten wird ein Mehrparteiensystem zugelassen und zur konstitutionellen Monarchie übergegangen. Die ersten wirklich freien Wahlen finden 1991 statt, welche vom Nepali Congress gewonnen werden. Seitdem gibt es ständige Wechsel an der Regierungsspitze. Auch die Kommunisten sind ab und an dabei. Die Maoisten sind besonders im Westen Nepals aktiv, weiten aber ihre Aktivitäten mittlerweile bis nach Kathmandu aus. Durch ihren Bombenterror sind sie bislang für den Tod von mehr als 1.300 Menschen verantwortlich.

Rhododendron. Rhododendron.

Flora und Fauna: Wegen der extremen Höhenunterschiede gibts es auch extreme Unterschiede bei der Flora. Im tropischen Terai wächst der artenreiche Monsunwald. Hier wird Reis und Zuckerrohr angebaut. In den niedrigen Höhenlagen bis 2.400m wachsen Nadelwälder , Eichen und der im frühen April blühende Rhododendron. Bis 3.200m gedeihen Ahorn, Birken sowie Scheinkastanien. Oberhalb dessen bis zur Baumgrenze bei ca. 3.900m wachsen Tannen, Birken und Rhododendren sowie Primeln und viele Kräuter, welche auch in der Heilmedizin verwandt werden. Die Wälder Nepals sind stark gefährdet, da nach wie vor der größte Teil des Energiebedarfes aus Brennholz abgedeckt wird. Petroleum ist als Energiequelle noch nicht weit verbreitet.
Vor allem im Terai sind zahlreiche Schlangenarten anzutreffen, hauptsächlich Kobras, Pythons und Vipern. Weiterhin gibt es in Flüssen lebende Wasserschlangen, neben einigen Krokodilen. Affen sind bis in Höhen von etwa 3.500m zu finden. Wildschweine, Tiger, Leoparden und Schakale sind mit etwas Glück (?!) bis in Höhen von 3.000m anzutreffen. Bis 4.000m können Schneeleoparden, Wölfe und Bären auftauchen. Einen ganz harmlosen Marienkäfer sah ich auf etwa 4.100m.

Hinflug: Do, 15.03.2001 Mit der S-Bahn geht es 7:02 nach Dresden, dort umsteigen in den IR1660 nach Nürnberg, Abfahrt 7:57. Nach fünfeinhalb Stunden erreiche ich um 13:21 Nürnberg Hbf. Wieder umsteigen, diesmal in die U-Bahn. Diese führt glücklicherweise seit November 1999 direkt zum Flughafen. Nun heißt es Zeit totschlagen, denn erst um 16:40 geht es mit einer ATR72 der Eurowings (EW0012/ KL2612) weiter nach Amsterdam. Beim Einchecken lasse ich mir für den Flug Amsterdam - Kathmandu einen Fensterplatz am Notausgang geben. Um 18:20 landen wir in Schiphol. Mit einer Boeing 757 der holländischen Transavia (HV6977) erfolgt um 20:00 der Start in den nächtlichen Himmel. Die Platzreservierung hat geklappt, ich kann meine Beine gut austrecken. Dies ist Gold wert in dieser ziemlich eng bestuhlten Maschine. Transavia werde ich in Zukunft mit Sicherheit nicht zu meinen bevorzugten Airlines zählen. In Sharjah erfolgt eine Zwischenlandung zum Auftanken. Hier gab sich auch der deutsche Reiseleiter zu erkennen. Er wollte wohl auf dem ersten Teilstück des Fluges noch seine Ruhe vor uns haben. Gegen 12:30 des 16.03.2001 landen wir nach einer Warteschleife mit schönen Ausblicken auf den Himalaya auf dem nach König Tribhuvan benannten Flughafen von Kathmandu. Nun folgt das lästige Ausfüllen der Einreiseformulare und langes Schlangestehen bei der Kontrolle. Ob das Gepäck auch eingetroffen ist? Diese bange Frage konnte zumindest ich mit ja beantworten. Dies traf jedoch leider nicht für alle Mitglieder meiner Reisegruppe zu. Durch das Gewühl nepalesischer "Helfer" schlagen wir uns zu einem auf uns wartenden Kleinbus durch. Das Gepäck wird auf dem Dach verstaut, wir packen uns in den Bus und ab geht es in das wilde Getümmel auf Kathmandus staubigen Straßen.

Reise: Fr, 16.03.2001 Die Hupe ist das wichtigste Bauteil eines Autos, Vorfahrtsregel: alt vor neu. Dabei sieht man nur wenig neu aussehende Fahrzeuge. Massenhaft Motorräder, welche sich zwischen den Autos hindurch schlängeln. Und über allem liegt eine dunkle Glocke von heftigem Smog. Das Atmen fällt schwer, das wird sich auch in den nächsten Tagen hier in Kathmandu nicht ändern. In den Städten außerhalb Kathmandus wird es etwas besser, aber richtig saubere Luft werden wir erst in den Bergen wieder zu atmen bekommen. Wir kommen doch irgenwie heil an unserem Hotel Janak im Stadtteil Tripuresvar an. Schräg gegenüber befindet sich die ehemalige Botschaft der ehemaligen DDR. Nachdem wir unsere verhältnismäßig komfortablen Zimmer bezogen und den Schmutz des Fluges von uns geduscht haben, begeben wir uns auf einen ersten kurzen Stadtbummel. Nur die Hauptstraßen sind asphaltiert und haben Fußwege. Die Nebenstraßen sind nur Staubpiste und durch allerlei Dreck zu einer riesigen Müllkippe verkommen. Der Weg führt zum Durbar Square (Königshof), von einheimischen auch Hanuman Dhoka genannt. Hier steht ein Sammelsurium von Tempel- und Palastanlagen auf engstem Raum. Im Auftrage der UNESCO wurden einige Gebäude 1972 ... 75 restauriert. Am Abend treffen wir uns im Restaurant des Hotels zum gemeinsamen Essen und gegenseitigen Kennenlernen.

Die Stupa von Swayambunath. Geschäftsstraße in Thamel.
Die Stupa in Swayambunath. Geschäftsstraße in Thamel.

Sa, 17.03.2001 Gegen 8:00 treffen wir uns zum Frühstück. Das allgegenwärtige Continental Breakfast ist ebenso verfügbar wie diverse Sorten von Pfannkuchen, Müsli und verschiedenen Eizubereitungen. Nach einer Stunde fahren wir verteilt auf einige Taxis nach Swayambhunath am westlichen Stadtrand von Kathmandu. Hier steht eine Stupa welche schon zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden ist. Die hier allgegenwärtigen Affen haben ihr auch den Beinamen "Monkey Temple" eingebracht. Über eine 365 Stufen zählende Treppe kann der Berg mit der Tempelanlage erklommen werden. Immer wieder wird man dabei von Händlern angesprochen. Es ist erstaunlich, wieviele Sprachen einige davon beherrschen (auch wenn es dabei nur um das Ankurbeln eines Verkaufes handelt). Auf der Harmika (einem viereckigen Aufbau auf der Kuppel der Stupa) prangen die alles beobachtenden Augen Buddhas. Um die Stupa herum sind Gebetsmühlen aufgebaut. Gläubige drehen diese im Uhrzeigersinn (andersherum bringt Unglück) und ersparen sich damit das langwirige Aufsagen der Gebete denn das Gebet steht bereits auf der Gebetsmühle: Om Mani Padme Hum. Zu deutsch etwa: Ehre sei Dir, Du Juwel in der Lotusblüte. Um die Stupa herum stehen noch weitere zahlreiche Schreine und Gebäude. Die meisten stammen vermutlich aus dem 14. Jh., als die Tempelanlage nach der Zerstörung durch Moslems wieder aufgebaut wurde.
Anschließend laufen wir zurück in das touristisch-geschäftige Zentrum Kathmandus, nach Thamel. Dabei überqueren wir auf einer Hängebrücke den Vishnumati. Dem Namen nach ist dies ein Fluß, dem Gestank nach die reine Kloake. In Thamel ist Geschäft an Geschäft und alle buhlen um die Gunst des Käufers. Handeln ist Pflicht, auch wenn es für uns sicher etwas ungewohnt ist. Aber mit der Zeit entwickelt man auch ein Gespür dafür, wie man dabei relativ gute Preis erhandeln kann. Läden mit Trekkingausrüstungen findet man sehr viele und besonders Fleece-Sachen kann man sehr günstig kaufen. Dabei sollte man allerdings davon ausgehen, daß der aufgestickte Markenname nicht so ganz echt ist. Aber es gibt recht gute Plagiate. Für gerade mal eine Rupie (entspricht etwa 3Pf.) pro Minute kann man in einem der zahllosen Internet-Cafes einen PC nutzen und die lieben daheim mit einer E-Mail beglücken.

Kremation in Pashupatinath. Die Augen Buddhas auf der Stupa in Bodnath.
Kremation in Pashupatinath. Die Augen Buddhas an der
Stupa in Bodnath.

So, 18.03.2001 Wieder treffen wir uns um acht zum Frühstück, gegen neun besteigen wir ein paar Taxis und fahren nach Pashupatinath am östlichen Stadtrand von Kathmandu. Hier ist das wichtigste hinduistische Heiligtum Nepals. Der dem Gott Shiva gewidmete Haupttempel ist Ungläubigen nicht zugänglich, jedoch gibt es ringsherum jede Menge andere Sehenswerte Bauten. Überquert man den schmalen Bagmati-Fluß, so gelangt man zu einer Anhöhe. Von dieser kann man die gesamte Tempelanlage sehr gut überblicken. Am Ufer des Bagmati befinden sich zahlreiche Verbrennungsstätten. Hier werden die Toten auf Holzhaufen aufgebahrt, mit angefeuchtetem Stroh abgedeckt und nach einer kurzen Trauerzeremonie angebrannt. Nach dem Verbrennen wird die Asche in den Bagmati geworfen, dieser trägt dann die Asche in den heiligen Fluß Ganges. Von Pashupatinath führt ein 45 minütiger Weg zu einem weiteren wichtigen und interessanten buddhistischen Heiligtum, nach Bodnath. Die Stupa von Bodnath zählt mit ihren 40m Durchmesser zu den größten buddhistischen Bauwerken der Welt. Wahrscheinlich stammt die Stupa, ebenso wie die in Swayambunath, aus dem 14. Jh.Die 13 Stufen des Turmes symbolisieren die 13 Stufen spiritueller Erkenntnis, der Schirm ganz oben symbolisiert die Erleuchtung. Am Fuße der Stupa befinden sich hunderte von Gebetsmühlen und 108 kleine Statuen. Im cinya Lama Gompa wohnt der Cinya Lama, nach Dalai Lama und Panchen Lama das dritthöchste spirituelle Oberhaupt der tibetischen Buddhisten. Auf einer Dachterrasse speisten wir zu Mittag, mit einem herrlichen Blick über die Stupa mit ihren ganzen Nebenanlagen. Danach heuerten wir uns wieder ein paar Taxis an und fuhren nach Thamel um noch ein bißchen shoppen zu gehen.

Mo, 19.03.2001 Heute steht ein Ausflug in die 15km östlich von Kathmandu gelegene alte Königsstadt Bhaktapur an. Wir laufen einige 100m bis zur Endhaltestelle des Trolleybus am Nationalstadion. Dieser Bus ist ein recht eigentümlich aussehendes Fahrzeug älterer chinesischer Bauart. Bhaktapur ist eine mittelalterliche Stadt mit ca. 250.000 Einwohnern und wirkt gegenüber Kathmandu erstaunlich sauber und ruhig. Auch die Atemluft ist deutlich besser. Für Bhaktapur ist ein Eintritt von 750 Rupien (rund 23,-DM) zu entrichten. Für Nepalesen ist der Eintritt frei, Inder bezahlen 75 Rupien. Ein absolut überhöhter Preis, vor allem wenn man bedenkt, daß Deutschland über das Bhaktapur Development Project maßgeblicher Geldgeber für die Erhaltung des Stadtkerns ist. Wie die anderen Königsstädte hat auch Bhaktapur einen Durbar Square. Dieser ist verhältnismäßig leer denn nach dem Erdbeben im Jahre 1934 sind einige Gebäude nicht wieder aufgebaut worden. Die meisten der Bauten stammen aus dem 17. Jh. Ein weiterer größerer Platz ist der Taumadhi Tol. Der hier befindliche Nyatapola-Tempel aus dem Jahre 1708 soll mit 30m der höchste im Kathmandu-Tal sein. Durch die ruhigere Umgebung und die bessere Luft ist Bhaktapur jedenfalls mehr zu empfehlen als Kathmandu. und an sehenswerten Baudenkmälern ist auch nicht gerade viel ärmer.

Di, 20.03.2001 Der Beginn unseres Trekkings. Das Frühstück wird bereits um 6:00 eingenommen, denn gegen sieben soll der Bus kommen. Für das Trekking werden die Sachen noch etwas umgepackt, nicht benötigte Utensilien bleiben in einer Tasche im Hotel. Das Hauptgepäck wird auf dem Dach verstaut und etwas verzurrt. Wir werden von heute an noch von einigen Nepalesen begleitet: ein Chief Guide, drei Assistant Guides und einigen Trägern. Die Fahrt geht nordwärts auf asphaltierter, aber schmaler Straße nach Trisuli Bazar. Hier machen wir eine kurze Mittagspause. Dann führt der Weg weiter auf einer unbefestigten und manchmal beängstigend engen Bergstraße in vielen Kurven bis nach Dhunche (1.950m über NN). Kurz vor Erreichen des Ortes wird die Kontrollstelle des Nationalparks durchschritten. Die Passagiere müssen aus dem Bus aussteigen, sich registrieren lassen und das Gepäck kann kontrolliert werden (Genehmigung für Video kostet 150,-USD!). Da hier sowohl der Trail in das Langtang-Tal als auch der Weg direkt nach Gosainkund beginnen, wartet eine Viehlzahl von Lodges auf Besucher. Am Abend werden im Haus Kerzen und Petroleumlampen aufgestellt, denn Strom gibt es nur manchmal.

Mi, 21.03.2001 Heute ist nun der endgültige Beginn unseres Trekking-Urlaubes. Die nächsten Tage werden wir nur zu Fuß unterwegs sein, die Zivilisation teils zurücklassen. Gegen acht sind die Stiefel fest geschnürt und wir starten mit unserer Wanderung. Wir verlassen das relativ große Dhunche und wandern auf der "Straße" entlang bis nach Bhargu (1.900m). Hier machen wir eine Teepause, es gibt wahlweise Black oder Lemon Tea. Diese Wahl wird sich auch in den kommenden zwei Wochen nicht ändern. Durch dichten Wald weiter zur Mittagspause nach Barabal (2.383m). Hier warten wir vergeblich auf eine unserer Mitreisenden. Sie hatte bereits in den letzten Tagen geschwächelt und mußte nun leider schon am ersten des Treks aufgeben. Einer der uns begleitenden Nepalesen ist bei ihr und kümmert sich um die Unterbringung sowie die Rückfahrt nach Kathmandu und ein weiteres Programm. Mittels eines Läufers geben wir am Abend noch Medikamente mit zu ihr auf den Weg und hoffen auf eine gute Besserung. Nach dieser wenig erfreulichen Nachricht beenden wir die erste Tageswanderung mit dem Weg nach Syabru (2.239m), zur besseren Unterscheidung mit Syabru Bensi wird dieses auch Thulo Syabru genannt. Dieses Dorf liegt aufgefädelt wie auf einer Perlenschnur auf einem schmalen Bergrücken. Seit November 2000 gibt es sogar elektrischen Strom. Wie in vielen weiteren Orten auch wird hier das Wasser für die Dusche durch Sonnenkollektoren erhitzt und in einem Tank auf dem Dach gespeichert. Wenn allerdings eine ganze Gruppe duschen möchte, wird es für die letzten etwas kalt.

Do, 22.03.2001 Gleich zu Beginn des Tages erfolgt ein steiler Abstieg von rund 350m in das Tal des Ghopche Khola. Dieser wird auf einer Stahlbrücke überquert und gleich darauf geht es wieder steil hinauf. Allerdings nicht lang, denn es folgt der harte Abstieg von etwa 550m in das Langtang-Tal. Auf dieser Strecke sind eine Reihe von Teehäusern strategisch verteilt. Selbst wer kein Wasser mit sich trägt, würde hier nicht verdursten. Dieser Umstand führte auch zu dem Begriff Teahouse-Trekking. Einige Meter hinter der durch ein riesiges Geröllfeld gekennzeichneten Einmündung des Langmoche Khola sahen wir eine kleine Herde Affen durch die Bäume hüpfen. Bald darauf führte der Weg über eine Hängebrücke, eine etwas wacklige Angelegenheit. Ab und zu regnete es etwas, manchmal mußte man sich sogar eine Regenjacke überziehen. Meist war der Regen aber so schwach oder durch das Blätterdach der Bäume soweit abgeschwächt, daß die Jacke nicht nötig war. Immer weiter durch dichten Wald führte uns der weg bis an unser heutiges Etappenziel, Changdam/ Lama Hotel (2.536m). Die Dusche war wegen der fehlenden Sonne kalt, bei 6°C Außentemperatur keine besondere Freude. An dieser Stelle sei erwähnt, daß die Dusche meist nur aus einer kleinen Hütte bestand. Entweder aus trocken gesetzten Steinen, aus Brettern oder einfach nur aus Bastmatten auf einem Holzgerüst. Das alles im Freien und natürlich ohne Heizung. Am Abend sitzen wir im Aufenthaltsraum der Lodge um den wärmenden Ofen herum. Im Nebenraum ist die Küche und Vorratskammer. Die Wolken hängen jetzt beängstigend tief im Tal, es wird wohl noch Schnee geben.

Fr, 23.03.2001 Zum Frühstück gibt es einen leckeren Apfelpfannkuchen. In die Trinkflaschen wird abgekochtes Wasser gefüllt und im Laufe des Tages werde ich noch eine Vitamintablette zugeben, damit etwas Geschmack hinein kommt. Der Himmel ist klar und blau, nur vereinzelt en paar Wolken. Wenige Kilometer nach Lama Hotel gibt das Langtang Tal den Blick auf hohe schneebedeckte Berge frei. In den Bergen ringsum ist frischer Schnee weit hinab zu sehen. An schattigen Stellen haben wir den ersten Kontakt mt Schnee bei etwa 3.000m. Wir laufen wohl etwas zu schnell, denn unsere Mittagslodge in Gora Tabela (3.015m) haben wir schon gegen 10:30 erreicht. Die Plätze der Lodge laden zum Sonnen ein, was wir auch ausgiebig nutzen. Nach einer ausgiebigen Mittagspause setzen wir unseren Weg fort. Ein Checkposten kontrolliert die Permits für den Nationalpark. Hier gibt es schon nur noch Buschland, die hohen Bäume haben wir weiter unten im Tal zurückgelassen. So bieten sich jetzt herrliche Ausblicke auf die Berge im Umland. Dies sind die Anblicke die ich mag. Allmählich werden die Schritte etwas schwer und langsamer, es macht sich ein leicht schummriges Gefühl im Kopf breit. Man versucht, die Füße bewußter zu setzen. Ein Zeichen, daß die Höhe nicht spurlos an einem vorübergeht. Nach Ankunft in Langtang Village (3.500m) ist dieses Gefühl jedoch schnell verflogen. Das Wasser in der Dusche ist noch halbwegs warm, so nutze ich dies gleich für ein ausgiebiges reinigen. Im Gemeinschaftsraum ist es noch recht kalt, der Ofen soll gerade mit Kerosin und getrocknetem Yakdung zum Heizen gebracht werden. Dies gelingt aber nicht so ganz. Die Wolken sind wieder das Tal hinaufgezogen und es beginnt leicht zu schneien.

Sa, 24.03.2001 Die Wolken sind wieder weg und der Himmel wieder blau und klar. Morgens waren im Zimmer gerade +0,5°C. Draußen war Frost mit der Folge, daß einige Wasserhähne kein Wasser mehr spenden. Die meist einfach nur offen auf dem Boden liegenden Leitungen sind eingefroren. Selbst der Trog zum Eintauchen des Eimers für die Toilettenspülung ist zugefroren. Der Weg heute ist nicht allzu lang, so gehen wir erst 8:30 los. Vorbei an vielen und langen Mani-Mauern führt unser Weg. Bei soviel göttlichem Zuspruch kann ja nichts schiefgehen. Zur Teepause sitzen wir im Buddha Restaurant mit Special German Bakery Shop. Das mit dem German sollte man aber nicht so ernst nehmen. Sehr zu empfehlen ist jedenfalls der frisch gebackene Apfelkuchen. Und was ich hier nicht erwartet hätte: Äpfel aus Neuseeland, das Stück zu 20 Rupien. Während wir uns so durch eine trocken gesetzte Steinmauer geschützt in der Sonne ahlen kreist ein Steinadler über uns. Unten stelzen viele Krähen, einige holen sich auch ein paar Krümel des Kuchens. Man kann die Ausblicke auf den Tserko Ri (je nach Karte 4.984 oder 5.033m) und den Ganchenpo (6.387m) genießen. Nur noch wenige Minuten Weg, man erklimmt einen kleinen Hügel und steht unvermittelt vor dem Endpunkt unserer Tour in dieses Tal: Kyangjin (3.900m). Hier wollen wir drei Nächte lang bleiben. Das Gehen fiel auch an diesem Tag etwas schwer, aber schon nach einer kurzen Pause war wieder alles in Ordnung. Eine Wanderung auf fast 4.000m Höhe ist eben schon nicht mehr ganz ohne. Es ist auch scheon ein eigenartiges Gefühl, hier auf 3.900m Höhe zu sitzen und trotzdem befindet man sich noch in einem tiefen Talkessel. Gegen Nachmittag ziehen wie in den letzten Tagen auch wieder Wolken das Tal hinauf und am Abend beginnt es zu schneien.

Der Ganchenpo (6.387m) im Abendlicht. Der Ganchempo (6.387m)
im Abendlicht.

So, 25.03.2001 Gegen 7:00 stehe ich auf, das Wasser ist wieder eingefroren. Aus der Küche bekommt man Waschwasser. Zum Frühstück gibt es wieder Pfannkuchen mit Ananasmarmelade. Danach starten wir zu einer kleinen Wanderung das Langtang-Tal weiter hinauf. Wenn man hier weitergeht, erreicht man nach maximal zwei Tagen die Grenze zu Tibet. Wir gehen jedoch nur bis Jathang, damit ist die 4.000er Marke durchbrochen. Jathang ist kein ständig bewohntes Dorf sondern nur eine Ansammlung von Hütten und Mauern. Auf diese Mauern wird im Sommer bei Bedarf ein Dach aus Planen oder geflochtenem Bambus gelegt und fertig ist die Behausung. Und wieder herrliche Ausblicke auf die umgebenden Schneeriesen. Auch ist der Weg zum Ganja La zu sehen. Dies ist eine Route zurück nach Kathmandu. Der Paß liegt allerdings bei 5.122m. Wir gehen zurück zu unserer Lodge und haben das gleiche Schauspiel wie alle Tage zuvor: Die Wolken kommen das Tal hinauf und bringen Schnee, heute sogar etwas kräftiger. Aufgrund dessen wird beschlossen, die Besteigung des Tserko Ri nicht zu unternehmen und stattdessen nur zwei Nächte zu bleiben. Am späten Nachmittag unternehmen wir noch einen kleinen Spaziergang durch das Dorf, u.a. zur mit Schweizer Unterstützung 1965 errichteten Käserei. Es gibt allerdings noch keinen Käse, die Saison hat noch nicht begonnen.

li: Penthang Karpo Ri (Dom Blanc, 6.181m); mi: Langshisa Ri (6.145m); re Hg: Gur Karpo Ri (7.234m). Kyangjin; Sonnenaufgang am Pangshungtramo (5.321m) und Langtang Lirung (7.234m).
Links: Penthang Karpo Ri (Dom Blanc, 6.181m);
Mitte: Langshisa Ri (6.145m);
Rechts Hg: Gur Karpo Ri (7.234m).
Kyangjin; Sonnenaufgang am
Pangshungtramo (5.321m) und
Langtang Lirung (7.234m).

Mo, 26.03.2001 Der erste Blick nach draußen ließ einen herrlichen Sonenaufgang erahnen. Der Langtang Lirung (7.234m) wurde langsam und allmählich von Sonnenlicht geflutet. Ein wunderbares Schauspiel. Heute steht eine lange Etappe auf dem Programm. Von nun an geht es bergab (zumindest vorerst), den gleichen Weg zurück wie wir ihn schon hinauf gegangen sind. Es geht in einem Ritt hinunter bis Lama Hotel. Bei Langtang trafen wir auf einen Hochzeitszug. Frauen werden hier mit 16, Männer mit 20 verheiratet. Spätestens ein Jahr danach sollte ein Kind dasein. An einem solchen Tag wird scheinbar in der ganzen Umgebung nicht gearbeitet, alles ist auf den Beinen. Die Dusche ist noch richtig heiß und das wird ausgiebig genutzt. Und sogar das Rasiermesser wird heut benutzt. Der lange Abstieg war erstaunlich einfach. Je weiter man hinab kam, um so leichter fiel das Laufen. Kaum zu glauben, daß für das gleiche Teilstück zwei Tagesmärsche erforderlich und diese auch noch ganz schön anstrengend sind. Das Küchenpersonal der Lodge kämpft mit der neuesten Errungenschaft, einer Petroleumlampe. Die Lampe gewinnt.

Di, 27.03.2001 Zum Frühstück habe ich mir wieder Pfannkuchen ausgesucht, diesmal Chocolate Pancake, echt empfehlenswert. Es geht weiter den schon bekannten Weg zurück, bis zur Bamboo-Lodge. Obwohl erst 10Uhr, essen wir schon ein wenig Reis. Allerdings wird auch noch ein Stapel Tibetisches Brot eingepackt, welches wir unterwegs zum Picknick verzehren wollen. Direkt nach der Lodge verlassen wir den bekannten Weg und das Langtang-Tal. Ein steiler Anstieg bringt uns etwa 700m nach oben. Unter uns springt wieder eine Herde Affen durch die Baumwipfel. Auf dem Grat angekommen verzehren wir dann das mitgebrachte Brot. Gegenüber sehen wir schon unseren Zielart Syabru liegen, aber dazwischen liegt gemeinerweise noch ein 400m tiefer Taleinschnitt. Der Bach in der Talsohle dient zu einem kurzen, erfrischenden Fußbad. Und dann erfolgt der kraftraubende Aufstieg nach Syabru.

Mi, 28.03.2001 Heute steht uns ein gewaltiger Aufstieg bevor. Nach 1¼ Stunden erreichen wir die kleine Siedlung Dursagang (2.733m) mit einigen Teehäusern. Eines davon nutzen wir für eine kleine Pause. Bis hier haben wir schon einen Höhenunterschied von 494m bewältigt. Im Dunst erkennen wir den wie ein Elefantenkopf aussehenden Ganesh. Kurz darauf erreicht unser Pfad den Wald. Noch immer führt der Weg steil nach oben, bis wir die Danda teashops (3.203m) erreicht haben. Dies heißt, wir haben fast 1.000m Aufstieg in den Beinen, was sich natürlich auch bemerkbar macht. Die Hosenbeine werden von kurz auf lang umgestellt und auch ein wärmender Fleecepulli wird übergezogen - die Höhe macht sich auch in der Temperatur bemerkbar. Nach einer ausgiebigen Mittagspause ziehen wir durch einen wunderschön blühenden Rhododendronwald weiter in Richtung Sing Gompa (3.350m). Sing ist der tibetische Name für die hier stehenden Bäume und Gompa bedeutet Kloster. Auf einer Holzleiter wird die Klostermauer überstiegen, der Pfad führt direkt durch das Gelände. Die meisten Häuser in Sing Gompa sind in den 80er Jahren bei einem Waldbrand zerstört worden. Stehen geblieben sind fast nur die Gebäude des Klosters. Hat da etwa jemand seine schützende Hand darüber gehalten? Es gibt eine Käserei, welche leckeren Yak-Käse verkauft. Sollte jeder mal probieren. Unsere Lodge "Green Hill" sieht irgenwie sehr englisch aus und wirkt in ihrer Gesamtanlage wie aus einem Rosamunde Pilcher Roman. Per Solarzellen und Batterien gibt es sogar elektrische Beleuchtung am Abend. In den Zimmern sind Kerzenhalter an den Wänden angebracht. Alles in allem eine recht komfortable Unterkunft.

Mani-Säulen sieht man im buddhistisch besiedelten  Bergland allerorten. Der Ganesh. Der Manaslu (8.163m) ganz im Hintergrund.
Mani-Säulen sieht man im
buddhistisch besiedelten
Bergland allerorten.
Der wie ein Elefantenkopf
geformte Ganesh.
Ganz im Hintergrund:
Der Manaslu (8.163m).

Do, 29.03.2001 Durch den verkürzten Aufenthalt in Kyangjin legen wir in Sing Gompa einen Ruhetag ein. Dieser dient auch ganz gut zur Akklimatisierung, obwohl bislang keine Symptome einer Höhenkrankheit auftreten. Gegen Mittag zieht ein Gewitter herauf und bringt frischen Schnee. Danach scheint wieder die Sonne und gemeinsam mit einigen anderen mache ich mich zu einem kleinen Spaziergang auf. Wir wollen ein Stück in die Richtung des nächsten Tages laufen. Die Luft ist etwas dunstig, so daß die Aussicht ein wenig getrübt ist.

Fr, 30.03.2001 Wegen der guten Sicht kommen wir auf den ersten Kilometern nicht sehr schnell vorwärts. Immer wieder bleibe ich stehen, genieße die Aussicht und mache einige Fotos. Sehr gut zu sehen ist die Ganesh-Gruppe (bis 7.429m), weiter entfernt ragt der Gipfel des Manaslu (8.163m) empor. Durch die knorrigen Bäume hindurch sehen diese Schneeriesen gewaltig aus. In Laurebina (3.931m), schon über der Baumgrenze, machen wir Mittagspause und genießen die Bergwelt ringsum. Fast 2.000m tief unter uns ist Thulo Syabru zu sehen. Der Weg führt uns immer weiter bergan, über Schneefelder erreichen wir auf 4.240m einen kleinen Tempel mit Gebetsfahnen. Von hier geht es nur noch seicht bergan. An den Felsen wächst Schwefelflechte und ein Gewächs, welches aussieht wie eine Röhrenkoralle. Ein Marienkäfer kreuzt meinen Weg. Am Nachmittag erreichen wir gerade noch vor den Wolken unsere Lodge in Gosainkund (4.400m). Die Wolken werden immer dichter und plötzlich befinden wir uns mitten in einem Gewitter mit Schneesturm. In der Lodge bullert der kleine Ofen und spendet etwas Wärme. Die Fenster sind durch Fensterläden etwas abgedichtet, aber durch die Trockenbauweise und die einfachen Bretterwände zieht es eben doch noch gewaltig hindurch. Der See Gosaikund ist ein wichtiges Pilgerziel der Hindus. Zum Fest Janai Purnima pilgern tausende Menschen zum See um ihre Ergebenheit zu Shiva zu bekunden. Shiva erschuf die Seen, indem er seinen Dreizack Trishul (daher auch der Name des Flusses Trisuli) in die Berge stieß. Wenn gutes Wetter herrscht und die Schneeverhältnisse es zulassen, so soll sich das erklimmen des Bergrückens (4.600m) hinter den Lodges von Gosainkund sehr lohnen. Von dort bieten sich Ausblicke auf Ganesh Himal, Manaslu Himal und bei sehr guter Sicht (im Herbst) bis zum Annapurna und Machhapuchhare.

Auf dem Weg zum Laurebina-Paß (4.609m). Die Wikinger haben den Paß erreicht.
Auf dem Weg zum
Laurebina-Paß (4.609m).
Die Wikinger haben den
Paß erreicht.
Die Höhenmessung zeigt 4.664m. Meine Box in der Lodge in Ghopte.
Die Höhenmessung
zeigt 4.664m.
Meine Box in der
Lodge in Ghopte.

Sa, 31.03.2001 Kein Wind, keine Wolken, blauer Himmel, Neuschnee. Zimmertemperatur: -4°C. Nach einer kräftigenden Nudelsuppe mit viel Knoblauch (dieser verdünnt das Blut, fördert die Durchblutung und verringert die Gefahr der Höhenkrankheit) brechen wir gegen 7:30 zur Paßüberquerung auf. Durch den Schnee und über Eisplatten geht es leicht bergan. Steigeisen sind nicht erforderlich, sorgsames gehen und setzen der Stöcke reicht aus. Für den Notfall habe ich noch einen Strick zum Umwickeln der Fußballen dabei. Dies erhöht den Griff auf Eis erheblich. Teils sinken wir bis zu den Knien im Schnee ein. Aber da die Träger vor uns bereits einen Weg gebahnt haben, ist dies nicht weiter tragisch und wenn man die Füße in die Stapfen des Vorgängers steckt, so weiß man auch, wie weit man im Schnee verschwindet. Teils ist aber auch sämtlicher Schnee vom Winder verweht und man kann auf dem blanken Fels laufen. Nach ca. 1½ Stunden ist der Paß erreicht. Laut Karte liegt dieser auf 4.609m, wir erklimmen noch einen kleinen Hügel mit einem Mani-Türmchen und Gebetsfahnen. Mein GPS-Gerät zeigt eine Höhe von 4.664m an. Es folgt nun ein nicht steiler, aber durch das Geröll, Schnee und Eis auch nicht leichter Abstieg. Das Mittagessen wird in Phedi (3.781m) eingenommen. Hier beginnt der schwierigste Teil des Weges. Immer abwechselnd steil bergab und bergan, mit Geröll und auch Schnee bedeckt. Gegen 15:00 treffen wir am Zielort Gopte (3.436m) ein, wo die Übernachtung in Zelten erfogt. Nur ein paar übernachten in der Lodge. Diese ist aber sicher auch nicht besser als das Zelt. Abends essen wir in einem extra errichteten Speisezelt, unter Leitung unseres Guides Gopal wurde ein richtig gutes Menü zubereitet. Nudelsuppe als Vorspeise, dann ein Salat aus Möhren, Tomaten, Weißkraut und Rettich. Als Hauptgang wurden gebratene Hühnchenstücke mit Reis, Linsensoße und Blumenkohl serviert. Trotz des Schneefalls ist es dank der Kerzen im Zelt ganz angenehm.

So, 1.04.2001 Wie schon so oft, sind auch an diesem Morgen wieder alle Schneewolken verflogen und es ist blauer Himmel und klare Sicht. Unser heutiges Tagesziel Tharepati (3.656m) ist schon deutlich auf einem Bergsattel zu sehen. Der Weg ist auch nicht lang und nicht allzu schwierig. Da Wasser so früh am Morgen noch gefroren ist, wird die morgendliche Wäsche mit Schnee erledigt. Gleich neben dem Weg wachsen wilde Primeln, Stechginster und Rhododendron. Die Blüten sind mit Schnee bedeckt und sehen damit oft ganz niedlich aus. Schon gegen 12Uhr mittags treffen wir in Tharepati ein. Dies ist eigentlich kein Dorf sondern nur eine Ansammlung von drei Lodges und einigen dachlosen Gebäuden, welche dann wahrscheinlich im Sommer genutzt werden. Die Bodendielen der Lodge sind etwas dünn geraten (oder die Abstände der Balken etwas groß), sie federn sehr und man läuft wie auf einem schwankenden Schiff. Am Nachmittag laufe ich noch ein Stück des Weges des hier abzweigenden Helambu-Circuit-Treks. Dieser führt hier auf einem Bergrücken entlang und ermöglicht somit reizende Ausblicke auf die umliegenden Berge. Die dunklen Wolken werden immer dichter. Ich sehe zu, das ich zurückkomme. Kurz darauf ist mein zuvor gegangener Weg in dicke Wolken eingehüllt, es schneit, hagelt und donnert. Wir sind wieder einmal inmitten eines Gewitters.

Mo, 2.04.2001 Wie gewohnt klarer Himmel. Über den Niederungen in Richtung Kathmandu hängt eine dunkle Dunstglocke. Heute steigen wir aus der Arktis in die Tropen. Die Leute, die in Zelten geschlafen haben, sagten, das Kondenswasser des Atems ist auf dem Schlafsack gefroren. Zur Mittagspause in Sanugopte (2.973m) können wir bereits wieder in kurzen Sachen gehen. An den Bergen, von denen wir kommen, hängen sich bereits wieder die Wolken fest; doch wir sind bereits aus dem Stauraum heraus und genießen die meiste Zeit die wärmende Sonne. Der Abstieg geht teils wieder sehr steil durch Rhododendronwald. Durch den starken Moosbewuchs der Bäume sieht dieser größtenteils richtig märchenhaft aus. Als wir Kutumsang (2.460m) erreichen, begrüßt uns ein kleines Feuer und Trommeln wurden geschlagen. Es wurde der Platz für ein neues Haus geweiht. Noch befinden wir uns in Regionen, in denen der Buddhismus vorherrscht. Kutumsang ist ein relativ großer Ort mit vielen Lodges, sogar einem Health Post und einem (allerdings geschlossenen) "Shopping Center". Auch eine richtig heiße Dusche (Sonnenenergie) ist endlich wieder verfügbar.

Di, 3.04.2001 Heute folgt nun der vorletzte Teil des Treks. Von Kutumsang geht es durch eine relativ dicht besiedelte Gegend über Chipling (2.150m) nach Chisopani (2.172m). Immer wieder geht es durch teilweise bis zu 3m tief ausgewaschene Pfade, teils durch terrassenartig angelegte Felder oder der Pfad verläuft inmitten eines trockenen Bachbettes. Bei Chipling verlassen wir die Welt des Buddhismus und tauchen wieder in die hinduistische Welt ein. In Chisopani sehen wir etwas für uns schon fast ungewohntes: ein Auto. Abends findet noch ein geselliges Beisammensein aller Beteiligten des Treks statt. Dazu sind auch alle Träger eingeladen, die sonst immer die Abende für sich verbrachten. Es wurde getrunken, gesungen, getanzt und gelacht. Leider ereilt uns auch noch eine unangenehme Nachricht: Bei mehreren Bombenanschlägen im Rukum und Dolakha Distrikt sowie in Kathmandu und Bhaktapur sterben mindestens 35 Menschen.

Mi, 4.04.2001 Heute also soll der Treck enden. Über einen kurzen Anstieg erreichen wir einen Paß bei 2.443m. Der Pfad ist teils wie in einem Stadtpark angelegt, teils aber auch wieder in tief ausgewaschenen Hohlwegen, und zum Schluß kommen noch sehr, sehr viele Betonstufen. Über diese erreichen wir den Zielort des Trecks, Sundarijal (1.400m). Sundarijal heißt übersetzt Schönes Wasser. Dieses Wasser wird in einem Becken aufgefangen und per Rohrleitung als Trinkwasser nach Kathmandu gepumpt. Nachdem der letzte Posten des Nationalparkes passiert wurde ist es nicht mehr weit bis in das Zentrum von Sundarijal. Hier stehen einige Busse für die Rückfahrt nach Kathmandu bereit. Auch gibt es eine ganze Reihe von kleinen Geschäften, an denen man sich mit Cola, Bananen oder sonstigen Sachen stärken kann. Jetzt folgt die Rückfahrt ins Hotel nach Kathmandu. Hinein in diese nervige, hektische Welt. Nach diesen Wochen der Ruhe und Besonnenheit ein wahrer Schock! Wir beziehen unsere Zimmer und genießen den Komfort eines Badezimmers mit einer heißen Dusche bevor wir uns wieder in das touristische Getümmel von Thamel stürzen. Aber die daheimgebliebenen sollen ja auch mal wieder ein Lebenszeichen per E-Mail erhalten.

Do, 5.04.2001 Für heute steht ein Ausflug nach Patan (auch Lalitpur genannt) auf dem Programm. diese Stadt liegt gleich am anderen Ufer des Bagmati, eine Stadtgrenze zwischen Kathmandu und Patan ist ansonsten nicht erkennbar. Hier leben etwa 300.000 Menschen. Als alte Königsstadt hat natürlich auch Patan einen Durbar Square, der von Einheimischen Mangal Bazar genannt wird. Der größte Teil der Palastanlagen und Tempel stammt aus dem 17. Jh. und wurde teilweise 1990/ 91 restauriert. Die einzelnen Gewerke sind meist geballt in einer Häuserzeile zu entdecken. So sind Korbmacher, Blechklempner oder sonstige Handwerker jeweils unter sich. Und wenn man einmal den Straßenzug mit den Fleischern und Schlachtern durchschritten hat so wundert man sich, daß man überhaupt noch Fleisch ißt und nicht zum Vegetarier wird. Letzteres wäre in der von uns durchwanderten Gegend übrigens problemlos möglich, da die dieversen Reisgerichte, Momos, Pancakes und Suppen fast immer sehr gut waren und das Fleisch zumindest mir eigentlich nicht wirklich gefehlt hat. Am Nachmittag fahren wir mit dem Taxi zurück nach Kathmandu und machen noch die letzten Einkäufe.

Fr, 6.04.2001 Heute konnte man ausschlafen, denn draußen war es ruhig, gespenstisch ruhig. Kein Hupkonzert, kein Brummen der vorbeifahrenden Autos, nur ab und zu ein Motorrad. Auf der Straße sind nur ein paar radfahrende oder federballspielende Kinder. Heute ist Generalstreik angesagt. Es gibt auch keinen Strom. Nach dem Frühstück bei Kerzenschein werden die Sachen ein wenig gepackt und dann folgt noch ein Spaziergang durch die Stadt. Zuerst geht es zum Durbar Square. Auch hier auf den Straßen keine Fahrzeuge. Die Luft ist diesmal nicht voller Abgase der Autos, sondern vom Staub der vielen Fußgänger. An vielen Stellen wird die autofreie Zeit genutzt, um den Müll auf den Straßen zusammenzufegen und an Ort und Stelle zu verbrennen. Dies sind natürlich auch keine feinen Düfte. Selbst im Touristenviertel Thamel sind nur ganz vereinzelt ein paar Geschäfte geöffnet. Vor manchen tuckert ein Notstromaggregat. Die mehrspurigen Straßen sehen eigenartig aus, wenn sie so leer vor einem liegen. Wird unser Abflug heute abend auch von dem Streik betroffen sein?

Rückflug: Am Abend werden wir von einem Kleinbus am Hotel abgeholt. Es scheint also alles glatt zu gehen. Auf völlig leeren Straßen fahren wir zum Flughafen. Dieser ist durch Militärposten abgesichert. An der Halle stürmen keine der sonst üblichen Träger auf uns ein, diese scheinen alle vom Gelände verbannt worden zu sein. Wir bezahlen unsere Ausreisesteuer, lassen unser Gepäck durchleuchten und checken ein. All dies geht für ein Entwicklungsland erstaunlich schnell und problemlos. Um 21:30 bringt uns HV6978 der Transavia mit einer Boeing 757 Richtung Heimat. Alles gut gegangen. Nach einem Zwischenstop in Sharjah landen wir früh morgens am 7.04.2001 in Schiphol. Nach einem kurzen Aufenthalt geht es 8:45 mit KL1765 und einer Boeing 737-200 der KLM weiter nach Frankfurt. Dort besteige ich den überfüllten ICE nach Dresden und bin einige Stunden später und um viele Impressionen reicher wieder zuhause.

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Weitere Infos über Nepal gibt es unter anderem hier:
Nepal.de - deutschsprachiges Nepal-Portal www.nepal.de
deutschsprachiges Nepal-Portal
Nepal.com - Your window on Nepal www.nepal.com
Your window on Nepal
TREKINFO.COM www.trekinfo.com
Information on arranging walking trips in the Himalayan Kingdom of Nepal
NEPALNEWS - News from Nepal as it happens www.nepalnews.com
NEPALNEWS - News from Nepal as it happens
nepalboard.de www.nepalboard.de
Deutschsprachiges Forum zu Nepal

Literatur- und Filmtipps:

  1. Nepal-Handbuch, Reise Know-How, R. Krack, Peter Rump Verlag, ISBN 3-89416-836-6
  2. Trekking in Langtang, J. McGuiness, Trailblazer Publications, ISBN 1-873756-13-5, englisch
  3. Karte Langthang Himal West, herausgegeben vom Österreichischen Alpenverein, 1:50.000
  4. Karte Langthang Himal Ost, herausgegeben vom Österreichischen Alpenverein, 1:50.000
  5. Karte Helambu - Langtang, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft für vergleichende Hochgebirgsforschung, München, 1:100.000
  6. Sieben Jahre in Tibet, Heinrich Harrer, Ullstein Taschenbuchverlag, ISBN 3-548-35753-9, erzählt wird sein Leben am Hofe des damals noch jugendlichen Dalai Lama.
  7. Einführung in den Buddhismus - Die Harvard-Vorlesungen, XIV. Dalai Lama, Herder spektrum, ISBN 3-451-04946-5

Wenn die beiden letzten Bücher auch nicht direkt Nepal behandeln, so sind sie zum Verständnis der buddhistischen Lebensweise doch ganz nützlich.

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www.lutz-hauptmann.net