Nepal.

Trekkingtour zum Everest Base Camp und zum Dhampus Peak.

Dies ist die Beschreibung einer Trekking-Reise vom 9.11. bis 6.12.2005 nach Nepal, in die Region Solo Khumbu zum Basislager des Mt. Everest. Wir nähern uns diesem höchsten Berg der Erde auf einer nicht wenig begangenen Route. Auch einige Bilder sind hier zu finden. Die Höhen- und Positionsangaben wurden mit Hilfe des GPS-Empfängers Garmin etrex ermittelt. Die Schreibweise der Orte kann sehr differieren, selbst an ein und demselben Haus kann der Ortsname unterschiedlich geschrieben sein.

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Allgemeines: Für Deutsche ist die Einreise relativ problemlos. Es wird ein Visum benötigt, welches über die Nepalesische Botschaft in Berlin (www.nepalembassy-germany.com) innerhalb weniger Tage bezogen werden kann. Alternativ kann man das Visum auch direkt bei der Einreise auf dem Flughafen in Kathmandu bekommen. Dieses Visum hat eine Gültigkeitsdauer von sechs Monaten ab Tag der Ausstellung und berechtigt zur einmaligen Einreise und einem 60tägigem Aufenthalt in Nepal. Der Wechselkurs der Nepalesischen Rupie zum Euro lag im November 2005 bei etwa 83:1. Kreditkarten besitzen keine hohe Akzeptanz; Geldautomaten, an denen man per Kreditkarte Bargeld bekommt, gibt es nur in Kathmandu. Auf dem Lande ist manchmal das Wechselgeld etwas knapp, man sollte also immer auch kleine Scheine haben. Die Rupie ist nicht frei konvertierbar, also darauf achten, daß am Ende der Reise nicht viel Geld übrig ist. Auf dem Flughafen in Kathmandu wird bei der Ausreise eine Gebühr von 1.695 Rupien erhoben. Diese kann auch in US-Dollar (ca. 15,00 USD) beglichen werden. Jeder Reisende sollte im Sinne der Erhaltung dieser schönen Umwelt die Vorschläge des ACAP (Annapurna Conservation Area Project) beherzigen. Bei Reisen in große Höhen ist auf eine ausreichende Akklimatisirungsphase zu achten. Hinweise zur Gesundheit auf Reisen sind in meiner Linkliste zu finden.
Gegenüber der Mitteleuropäischen Zeit MEZ besteht eine Verschiebung von +4h und 45min. Während der deutschen Sommerzeit verringert sich die Differenz auf +3h und 45min.

Kurze Geographie: Nepal liegt etwa auf der Höhe von Nordafrika. Die Hauptstadt ist das 1.400m hoch gelegene Kathmandu mit ca. 1Mio Einwohnern. Diese Zahl kann allerdings nur eine grobe Schätzung sein. Die Gesamtfläche Nepals entspricht der von Österreich und der Schweiz zusammen. Die Klimazonen können unterschiedlicher nicht sein. Vom tropischen Terai (ab 60m über NN) im Süden bis zu den hochalpinen Zonen des Himalaya (bis 8.848m) im Norden werden sämtliche Klimazonen auf kleinstem Raum eingeschlossen. Der Himalaya ist ein Faltengebirge, welches durch das Aufeinandertreffen der Indischen auf die Eurasische Platte vor ca. 140Mio Jahren aufgetürmt wurde. Diese Bewegung hält noch immer an; zahlreiche kleinere und größere Beben sind die Folge. Siedlungen sind auch in Höhen von 4.000m noch anzutreffen. Häuser noch weiter oben werden jedoch im allgemeinen nur im Sommer bewohnt. Diese Hütten bestehen meist aus ein paar trocken gesetzten Steinwänden. Das Dach wird erst im Früjahr bzw. Sommer aus Plastikplanen oder grob geflochtenem Korb aufgelegt. Die das Gebirge entwässernden Flüsse münden über kurz oder lang alle im heiligen Ganges. Durch die zunehmende Abholzung und das damit verlorengehende Speicherpotential wird auch die Bodenerosion und das gefährliche Anschwellen der Wassermassen gefördert. Die Energie des Wassers wird jedoch noch nicht ausreichend genutzt.

Geschichte: Gegen Ende des 14. Jh. baut König Jayasthitis einen geordneten Staat auf. Rechte und Pflichten der unterschiedlichen Kasten werden per Codex festgelegt. Mit dem Tod des Königs Yakshya 1482 zerfällt das Reich in vier Teile mit den Hauptstädten Kathmandu, Bhaktapur, Patan (Lalitpur) und Banepa. In den folgenden Jahren gibt es ständige Kämpfe zwischen diesen Reichen, jedoch nicht nur auf dem Schlachtfeld sondern auch auf dem baulichen Sektor (dazu sollten heutige Staatspräsidenten in der ganzen Welt übergehen!). Das führte zu einem Aufblühen des Handwerkes und dem Entstehen einer Vielzahl von Gebäuden. 1768/ 69 fallen die Königsstädte in die Hand von Prithvi Narayan Shah aus Gorkha. Dies gilt als Geburtsstunde des heutigen Nepals. Kathmandu wird zur Hauptstadt des neuen Reiches und die Shah-Dynastie besteht bis heute. Nepal greift die britische Kolonialmacht 1814 in Indien an, verliert jedoch. Die Briten sind von der Kampfkraft der Nepalesen jedoch derart beeindruckt, daß die legendären Gurkha-Regimenter gegründet werden. 1846: Der Offizier Jung Bahadur Kanwar läßt während einer Krisensitzung fast alle seiner politischen Gegner ermorden. Die Macht liegt nun in den Händen der sich Rana nennenden Dynastie dieses Offiziers. 1923 wird Nepal von Großbritannien als unabhängiger Staat anerkannt. Im 2. Weltkrieg kämpfen ca. 250.000 Gurkhas. Aufgrund indischer Vermittlung wird 1951 eine Koalitionsregierung aus Mitgliedern der Rana- und der Shah-Dynastien sowie der Nepali Congress Party gebildet. Der Neuseeländer Edmund Hillary und der Sherpa Tensing Norgay bezwingen 1953 den Mt. Everest. 1981 finden die ersten halbwegs freien Wahlen statt. 1990: die gravierenden Umwälzungen in Osteuropa schwappen selbst nach Nepal über. Nach massiven Protesten und einigen hundert Toten wird ein Mehrparteiensystem zugelassen und zur konstitutionellen Monarchie übergegangen. Die ersten wirklich freien Wahlen finden 1991 statt, welche vom Nepali Congress gewonnen werden. Seitdem gibt es ständige Wechsel an der Regierungsspitze. Auch die Kommunisten sind ab und an dabei. Die Maoisten sind besonders im Westen Nepals aktiv, weiten aber ihre Aktivitäten mittlerweile bis nach Kathmandu aus. Durch ihren Bombenterror sind sie bislang für den Tod von mehr als 1.300 Menschen verantwortlich. Am 1.06.2001 wird ein großer Teil der Königsfamilie durch Kronprinz Dipendra ermordet. Es soll zum Streit gekommen sein, weil Dipendra nicht die Frau heiraten durfte, die er wollte. Eine nicht authorisierte Übersetzung ins Englische des ofiziellen Berichts der Untersuchung ist unter www.nepal-dia.de zu finden. Neuer König wurde Gyanendra, der jüngere Bruder von Dipendra.

Hängebrücken werden auch von Kühen genutzt. Auch eine Ziege muss mal entspannen.
Hängebrücken werden auch
von Kühen genutzt.
Auch eine Ziege muss
mal entspannen.

Flora und Fauna: Wegen der extremen Höhenunterschiede gibts es auch extreme Unterschiede bei der Flora. Im tropischen Terai wächst der artenreiche Monsunwald. Hier wird Reis und Zuckerrohr angebaut. In den niedrigen Höhenlagen bis 2.400m wachsen Nadelwälder , Eichen und der im frühen April blühende Rhododendron. Bis 3.200m gedeihen Ahorn, Birken sowie Scheinkastanien. Oberhalb dessen bis zur Baumgrenze bei ca. 3.900m wachsen Tannen, Birken und Rhododendren sowie Primeln und viele Kräuter, welche auch in der Heilmedizin verwandt werden. Die Wälder Nepals sind stark gefährdet, da nach wie vor der größte Teil des Energiebedarfes aus Brennholz abgedeckt wird. Petroleum ist als Energiequelle noch nicht weit verbreitet.
Vor allem im Terai sind zahlreiche Schlangenarten anzutreffen, hauptsächlich Kobras, Pythons und Vipern. Weiterhin gibt es in Flüssen lebende Wasserschlangen, neben einigen Krokodilen. Affen sind bis in Höhen von etwa 3.500m zu finden. Wildschweine, Tiger, Leoparden und Schakale sind mit etwas Glück (?!) bis in Höhen von 3.000m anzutreffen. Bis 4.000m können Schneeleoparden, Wölfe und Bären auftauchen. Einen ganz harmlosen Marienkäfer sah ich auf etwa 4.100m.

Hinflug: Mi, 9.11.2005 Früh morgens erreichen wir mit einem kurzen Sprint gerade so die S-Bahn am Bahnhof Unterschleißheim. Diese bringt uns zum Münchner Hauptbahnhof, wo wir in einen ICE zum Flughafen Frankfurt umsteigen. Gleich am Fernbahnhof des Flughafens gibt es ein paar Schalter, an denen man für einige Fluggesellschaften direkt einchecken kann. Gulf Air ist glücklicherweise unter diesen Gesellschaften und so sind wir gleich das schwere Gepäck los und können unbeschwert dem Terminal 2 entgegenschweben. Dass der Flug 20 Minuten früher als geplant abheben soll, ist uns glücklicherweise durch das die Tickets ausstellende Reisebüro mitgeteilt worden. So schweben wir denn also gegen 11.00 Uhr dem Himmel und unserem Urlaub entgegen. Gegen 19.15 Uhr Ortszeit landen wir zu einem Zwischenstopp in Bahrain.

Do, 10.11.2005 Der Weiterflug nach Kathmandu sollte um 01.00 Uhr nachts starten, aber es kam eine Verzögerung auf 02.35 Uhr. Also noch längeres Warten auf diesem durch eine Klimaanlage unterkühltem Airport. Gut, wenn man seine warme Fleecejacke im Handgepäck hat.Irgendwann können wir dann aber doch einen Flug an den schneebedeckten Bergen des Himalaya entlang geniessen. Wir haben uns für die erste Nacht im International Guest House angemeldet. Dies beinhaltet auch einen Aholservice vom Flughafen. Im Gewühl der vielen Abholer und Schlepper für die diversen Hotels entdecken wir auch eine Person, welche ein Schild mit unseren Namen hochhält. Nur kurz darauf tauchen wi in einem Mitsubishi Pajero in das Getümmel von Kathmandu ein. Dreck, Krach, Staub und Hupen. Hektisch, aber doch auch wieder ein schönes Gefühl, inmitten dieses Trubels zu sein. An der Rezeption stellte sich heraus, dass entgegen unserem Wunsch die Flüge von Kathmandu nach Lukla und Zurück noch nicht gebucht waren. Der Manager teilte uns mit, dass Flüge auch erst am übernächsten Tag verfügbar wären. Wie wir nach etwas näherem Kennenlernen dieses Typs dann aber feststellten, wollte er uns wohl nur eine Nacht länger in seinem Guesthouse behalten. Nachmittags trollten wir dann durch das geschäftige Touristenviertel Thamel und vielen beizeiten in die Betten.

Reise: Fr, 11.11.2005 Nach dem Frühstück liefen wir nach Swajambunath und statteten dem Affentempel einen Besuch ab. Dieser steht am westlichen Stadtrand von Kathmandu und thront hoch oben auf einem Hügel. Die hier allgegenwärtigen Affen haben dieser Anlage den Beinamen "Monkey Temple - Affentempel" eingebracht. Über eine 365 Stufen zählende Treppe kann der Berg mit der Tempelanlage erklommen werden. Vom Hügel konnte man auch schon wieder die schneebedeckten Berge sein. Da packt einen die Sehnsucht.
Wir liefen zurück zum Hotel und steckten noch die Packung Original Crottendorfer Räucherkerzen ein. Ein Taxi brachte uns zur großen Stupa von Bodnath. Sie ist 40m hoch und genauso im Durchmesser. Hier entzündeten wir unter dem Wohlwollen eines buddhistischen Mönches die Räucherkerze für ein gutes Gelingen unserer Tour. Die Stupa von Bodnath zählt mit ihren 40m Durchmesser zu den größten buddhistischen Bauwerken der Welt. Wahrscheinlich stammt die Stupa, ebenso wie die in Swajambunath, aus dem 14. Jh. Die 13 Stufen des Turmes symbolisieren die 13 Stufen spiritueller Erkenntnis, der Schirm ganz oben symbolisiert die Erleuchtung. Am Fuße der Stupa befinden sich hunderte von Gebetsmühlen und 108 kleine Statuen. Im Cinya Lama Gompa wohnt der Cinya Lama, nach Dalai Lama und Panchen Lama das dritthöchste spirituelle Oberhaupt der tibetischen Buddhisten.
Nach der Rückfahrt nach Thamel suchten wir eine Flugagentur (New York Travels) auf und kümmerten uns um unseren weiteren Inlandsflüge. Dies wollten wir nicht wieder dem Manager unseres Hotels überlassen. Wir hatten das Gefühl, in dieser Agentur auch wirklich gut beraten zu werden. So buchten wir offene Flüge von Kathmandu nach Pokhara, von Pokhara nach Jomsom und von Jomsom zurück nach Pokhara. Von Pokhara zurück nach Kathmandu buchten wir eine Fahrt in einem Touristenbus. Für die Flüge bezahlten wir je Sektor 65,- USD und für den Bus 12,- USD inklusive Lunch. Die offenen Flugtickets haben den Vorteil, dass sie ohne Gebühr von einem Flug auf einen anderen umgebucht werden können. Dies könnte sich als wichtig erweisen, denn bei schlechten Wetterbedingungen kann es durchaus vorkommen, dass man ein paar Stunden oder gar Tage Verspätung bekommt. Dass der 11.11. ist und manche Teile Deutschlands an diesem Tag im Karnevalstrubel versinken kommt uns gar nicht in den Sinn.

Möbeltransport in Kathmandu. Butterlampen an der Stupa in Bodnath.
Möbeltransport in Kathmandu. Butterlampen an der
Stupa in Bodnath.

Sa, 12.11.2005 In der Nacht um 4.30 Uhr klingelt der Wecker. Nah einer Katzenwäsche gehen wir zum für fünf Uhr vorbestellten Frühstück. Erwartungsgemäß war noch niemand wirklich auf unser Erscheinen vorbereitet. Jedoch muss man auch fairerweise sagen, dass die Zubereitung dann äußerst flink ging. Ein Taxi bringt uns für 200 Rupien zum Flughafen. Allerdings können wir dem Fahrer nicht klar machen, dass wir nicht zum internationalen, sondern zum Domestic Airport wollen. Also legen wir dann noch eine Distanz von ca. einem Kilometer zu Fuss zurück.
Der Start unserer Sita Air Maschine nach Lukla ist für 6.35 Uhr anberaumt. Wegen der schwierigen Verhältnisse wird jedoch nur auf Sicht geflogen und so muss diese natürlich zum Fliegen tauglich sein. Auch sind nepalesische Zeitangaben mit den unsrigen auch nicht immer so hundertprozentig übereinstimmend. Zeit spielt eben nicht so die entscheidende Rolle. Kurz vor acht erhebt sich dann aber unsere kleine, 17-sitzige Dornier 228 in den Himmel. Wir fliegen an den weißen Bergen des Himalaya entlang und teilweise zwischen den Bergen hindurch. Als die Landung in Lukla (ca. 2.800 m) naht, fragt man sich unwillkürlich: "Wo zur Hölle will der hier landen???" Doch irgendwann taucht eine kleine, asphaltierte Rollbahn auf. Davor ein Abgrund, dahinter ein Berg, links und rechts Häuser. Ein Durchstarten ist nicht möglich, die Landung muss beim ersten Mal sitzen. Die Bahn ist 600m lang und hat auf diesem Stück auch noch eine Steigung von 60m. Wir eilten vom Flugzeug zum "Gepäckband". Dieses besteht hier aus dem Handwagen, mit dem das Gepäck von der Maschine entladen wird. Ein Bediensteter vergleicht die Nummer am Gepäck mit dem Kontrollschein und schon erhält man seine Tasche.
Draußen vor dem Zaun warteten schon einige Leute, die sich einen Porter- oder Guidejob von den Neuankömmlingen erhofften. Da wir uns keinen so direkt von Strasse angeln wollten, retteten wir uns vorerst in eine Lodge und liessen uns vom Betreiber einen Porter vermitteln. Uns wird Pemba Tenzing Sherpa vorgestellt, ein neunzehnjähriger Bursche aus dem Sherpa-Dorf Khumjung. Er spricht ein klein wenig englisch und so sollte es mit der Verständigung auch klappen. Wir ließen noch ein paar nicht benötigte Gegenstände in der Lodge zurück und machten uns mit unserem neuen Arbeitnehmer auf den Weg. Für ihn hatten wir einen Tagessatz von 600 Rupien ausgehandelt. Die Verpflegung muss er davon selber zahlen. Wenn wir dies übernommen hätten, so hätte dies schnell eine unüberschaubare Position werden können. Nach 1,5 Stunden Weg nahmen wir auf der sonnenüberfluteten Terrasse der Windhorse-Lodge in Tharo Kosi Platz. Hier hat man einen schönen Blick das Tal hinab bis nach Lukla. Nach einer weiteren Stunde Wegstrecke kamen wir in Phakding (2.600m) an, unserem ersten Etappenort. Das Doppelzimmer in der Kala Pattar Lodge kostet 100 Rupien.

So, 13.11.2005 Wir stehen 6.30 Uhr auf, gehen frühstücken und schon um 7.45 Uhr machen wir uns wieder auf den Weg. Nach stetigem, leichten Auf und Ab erreichen wir gegen 10.00 Uhr den Eingang in den Sagarmatha-Nationalpark am Ortsende von Monjo (2.840m). Hier kaufen wir unsere Permits für den Nationalpark und löhnen dafür 1.000 Rupien pro Person. Die ganze Prozedur geht trotz der vielen Schreibarbeit erstaunlich schnell vor sich. Es folgt ein kleiner Abstieg und bald erreichen wir Jorsale (2.830m), das letzte Dorf vor dem Anstieg nach Namche Bazaar. Hier machen wir eine kleine Mittagspause, bevor wir weiterziehen. Auf einer sehr hohen und wackeligen Hängebrücke überqueren wir den Dudh Khosi. Es folgt ein langer, anstrengender Anstieg nach Namche Bazaar. Diesen sollte man auch wirklich langsam angehen, um sich der Höhe etwas anzupassen. Kurz vor dem Ort passieren wir noch einen Polizeiposten. Dieser kontrolliert allerdings nur die Nepalis, Touristen können ungehindert passieren. Gegen 14.15 Uhr erreichen wir das Zentrum des relativ grossen und gepflegten Ortes Namche Bazaar (3.450m). Die Lodge "Shangri La", in welcher wir uns einquartieren wollen, ist schon voll und so bekommen wir den eigentlichen Private Room. Dieser entpuppt sich dann als das Heiligtum des Hauses, denn hier steht der Altar. Wir nehmen eine Dusche und ziehen dann noch ein bißchen durch die Gassen des Ortes.

Blick auf Namche Bazar. Unser Schlafzimmer in Namche Bazar.
Blick auf Namche Bazar. Unser Schlafzimmer
in Namche Bazar.

Mo, 14.11.2005 Heute bleiben wir in der Umgebung von Namche Bazaar und legen einen Akklimatisierungstag ein. Wir machen eine kleine Rundtour und steigen aus dem Tal hinauf nach Khunde. Dabei überqueren wir den kleinen, oberhalb von Namche Bazaar glegenen Flugplatz von Shyangboche (3.790m). Dieser war ursprünglich für Flugzeuge des Kalibers einer Pilatus Porter angelegt worden, wird aber nur noch als Landeplatz für Hubschrauber genutzt. Eine große russische MI-8 liefert gerade Holzbalken an. Diese werden dann von Trägern an den jeweiligen Bestimmungsort gebracht. Meist wird dies die Boomtown Namche Bazaar sein.
Kurz darauf kommt auch das erste Mal die wunderschön anzuschauende Pyramide der Ama Dablam (6.856m) und der Mt. Everest in unser Blickfeld. Der Everest wird von den Nepali Samargatha und von den Tibetern und Sherpas Chomolungma genannt. Die Höhenangabe schwankt zwischen 8.848m und 8.850m. In Khunde gibt es ein kleines Krankenhaus, welches 1966 mit kanadischer Unterstützung gebaut worden ist. Die Kanadier haben auch hier befindliche, einheimische Ärzte ausgebildet. Es ist eigentlich für die einheimische Bevölkerung gedacht, aber natürlich können auch Fremde kommen. Eine Konsultation kostet 40,- USD.
Weiter geht es in das Sherpa-Dorf Khumjung (3.780m), den Heimatort unseres Trägers. Bei ihm zuhaus trinken wir eine Tasse Tee, zum Glückkeinen Buttertee. Wir machen noch einen kleinen Abstecher in die vom Everest-Erstbesteiger Sir Edmund Hillary im Jahre 1960 gegründete Schule. Im Jahre 1983 wurde diese sogar zur High School ausgebaut. Im Gompa von Khumjung wird in einem Stahlschrank der angebliche Schädel des sagenumwobenen Yetis aufbewahrt. Eine durch Sir Edmund Hillary veranlasste Untersuchung 1960 in den USA ergab, dass es sich um den Schädel eines Tieres der Antilopenfamilie handeln soll.
Es folgt wieder ein kleiner Anstieg, bis wir das legendäre und teure Everest View Hotel passieren. Ein Hotel mit eigenem Heliport und mit Sauerstoffversorgung in den Zimmern. Es wird hauptsächlich von zahlungskräftigen Japanern aufgesucht. Bei einem Preis von 135,- USD pro Nacht und Person werden wir dies nicht als Herberge für uns auswählen. Beim Abstieg passieren wir nun das andere Ende der Landebahn und gelangen nach einem steilen Gefälle wieder nach Namche Bazaar.
Da nun in der Lodge andere Zimmer frei sind, räumen wir den Altarraum und beziehen ein ganz normales Zimmer. Auf der Bank tauschen wir noch etwas Geld und können nicht widerstehen, Hermann Hellmers Bäckerei und Konditorei nochmals einen Besuch abzustatten und etwas von dem leckeren Kuchen zu essen. Wir nehmen uns auch noch ein paar Brötchen und etwas Yak-Käse mit.

Di, 15.11.2005 Um 8.00 Uhr bewegen wir uns auf einem sehr breiten und stark begangenem Weg aus Namche weg. Teils mutet der Weg wegen seiner Begangenheit und Breite wie eine Autobahn an. Immer wieder richtet sich unser Blick auf den Mt. Everest und die Ama Dablam. Dann tauchen wir in einen dichten Rhododendronwald ein. Wir steigen in das Tal des Dudh Khosi hinab und dann in einem mühevollen, zweistündigen Anstieg nach Tengboche (3.870m) hinauf. Dies erreichen wir gegen 14.45 Uhr. In der Tashi Delek Lodge bekommen wir ein Eckzimmer mit Blick auf das größte buddhistische Kloster Nepals auf der einen Seite und auf Mt. Everest und Ama Dablam auf der anderen Seite.
Das Hauptgebäude des Klosters wurde 1919 fertiggestellt. Bei einem Erdbeben im Jahre 1934 wurde es zerstört und wenige Jahre später wieder aufgebaut. Am 19. Januar 1989 wurde es durch ein Feuer verwüstet. Zahlreiche kostbare Bücher, Gemälde und Reliquien konnten aber vor den Flammen gerettet werden. Zwischen 1990 und 1993 wurde das Kloster erneut aufgebaut.
In diesen Tagen wird gerade das Mani Rumdi Festival begangen und wir wohnen für etwa 2,5 Stunden einer Art Generalprobe bei. Von den Mönchen werden Tänze aufgeführt, bei der Probe allerdings noch ohne Masken. Dafür muss man als Tourist in dieser Zeit einen Eintritt von 300 Rupien bezahlen.
In der Nacht ist Vollmond und die Bergketten werden in ein gespenstisch anmutendes Licht getaucht.

Mt. Everest, Lhotse und Ama Dablam hinter dem Kloster Tengboche. Tanzender Mönch beim Mani Rimdu Festival in Tengboche.
Mt. Everest (8.848m), Lhotse (8.501m)
und Ama Dablam (6.856m) hinter dem
Kloster Tengboche (3.870m).
Tanzender Mönch beim
Mani Rimdu Festival
in Tengboche.

Mi, 16.11.2005 Wir wurden bereits frühmorgens um 5.00 Uhr durch das Tröten und Trommeln der Mönche geweckt. In unserem Zimmer sind nur 2,5°C. Der Boden draußen ist noch fest gefroren, als wir gegen 8.15 Uhr losziehen. Der Mt. Everest und die Ama Dablam glänzen im hellen Licht der Morgensonne. Wir steigen einen kleinen Abhang ins Tal hinab. Die Blätter des Rhododendron haben sich bei diesen kalten Temperaturen zusammengerollt. Doch nach einer halben Stunde kommt die Sonne auch in dieses Tal und es wird sofort warm. In Shomare bestellen wir uns zum Mittag eine Tomatensuppe und essen dazu unseren aus der Bäckerei in Namche mitgebrachten Yakkäse und Brötchen. Hier trafen wir auch ein Ehepaar aus Österreich, welches am Everest-Marathon teilnehmen möchte. Dazu später mehr.
Eigentlich wollten wir an diesem Tag nach Pheriche gehen, aber wegen des kalten Windes dort und der besseren Höhenanpassung haben wir uns für den Weg nach Dingboche entschieden. An der Abzweigung bei Tsuro wählten wir also den Weg über eine Brücke hinweg und auf der anderen Seite in der Flanke eines Bergrückens hinauf. Nach dem ersten Bergrücken sind noch keine Häuser zu sehen, wir müssen erst noch durch eine gestreckte Senke hindurch. Nach einem weiteren Bergrücken sehen wir dann endlich die Häuser der relativ großen Siedlung Dingboche (4.360m). Gleich in der ersten Unterkunft beziehen wir gegen 14.45 Uhr Quartier. Die Peaceful Lodge wirkt durch einen wintergartenähnlichen Bau sehr einladend. Dieser ist durch die Sonne natürlich ordentlich aufgeheizt und so kann man sich darin gut von den Strapazen des Tages erholen. Später am Nachmittag machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch den Ort, da kommt dann auch der beliebte Trekkinggipfel des Island Peak (Imja Tse, 6.189m) in den Blick.

Do, 17.11.2005 Als wir wie gewohnt gegen 7.00 Uhr in den Essenraum gehen wollen, ist dieser noch verschlossen. Die zwei Damen des Hauses waren soeben erst erwacht und die Träger schliefen noch alle im Essenraum. So wurden wir in die Küche eingeladen und konnten den ersten Tätigkeiten des Tages beiwohnen. Eine Tasse Kaffee und die kleine Tochter einer der Damen halfen dabei, die Lebensgeister zu wecken. Es war dann bereits 8.45 Uhr als wir endlich loskamen. Wir stiegen aus dem schattigen und damit eiskalten Tal hinaus in die Sonne. Bis Dughla ging es dann nur noch sehr leicht bergan, meist lief man auf einer wunderbar weichen Almwiese entlang. Als wir bei Dughla (4.620m) auf wackeligen Stegen den Bach überqueren, können wir bizarre Eisgebilde in dessen Fluten bewundern.
Nach einer kräftigenden Suppe folgt nun ein anstrengender Aufstieg von ca. einer Stunde Länge die gewaltige Endmoräne des Khumbu Gletschers hinauf. Oben auf dem Dughla La stehen in einer Chukpilhara genannten Memorial Area viele kleinere und einige größere Denkmale für hauptsächlich am Mt. Everest ums Leben gekommene Bergsteiger und Sherpas. Unter anderen steht hier auch ein Denkmal für den Amerikaner Scott Fisher, der während des Desasters im Jahre 1996 sein Leben lassen mußte.
Neben der Moräne des Khumbu Gletschers wandern wir durch eine staubtrockene Landschaft. Der aufkommende Wind hüllt uns immer wieder in dichte Staubwolken. Glücklicherweise haben wir geniale Tücher dabei, mit denen wir uns schützen können. Sind Mund und Nase erst einmal abgedeckt, so kann man auch wieder einigermaßen staubfrei atmen. Doch gegen 13.30 Uhr tauchten dann die Häuser von Lobuche aus dem Staubnebel auf und wir waren erlöst. Im Alpine Inn bezahlen wir 400 Rupien für das Doppelzimmer, das vierfache des bisher üblichen Preises! Dafür gibt es richtige Plastefenster und die halten auch noch ordentlich dicht. Dies ist auch sehr wichtig bei diesem Wind. Nach einer Pause machen wir uns dann nochmal auf den Weg und erkunden ein bißchen die Umgebung. An diesem Abend greife ich zu einer Aspirin, den es machen sich ein paar leichte Kopfschmerzen bemerkbar. Am Abend ist ein Arzt in der Lodge. Er betreut eine Studie mit einem Vergleich von zwei Medikamenten gegen Höhenkrankheit. Zur Kontrolle wird als dritte Sorte von Pillen den Probanden ein Placebo gegeben. Ich nutze die Gelegenheit und messe die Sauerstoffsättigung meines Blutes. Diese liegt bei 84%, was einen recht ordentlichen Wert in einer Höhe von 4.930m darstellt.

Fr, 18.11.2005 Wie gewohnt starten wir kurz nach 8.00 Uhr zur nächsten Eappe. Anfangs verläuft der Weg mehr oder weniger über eine Wiese, bis man an den Fuss einer Moräne gelangt. Es folgt ein nur 20-minütiger, dafür aber sehr steiler Aufstieg auf diese Moräne. Dann folgt ein stetiges Auf und Ab über immer wieder neue Moränen. Immer wieder denkt man, dass hinter der nächsten Moräne das nächste Dorf kommen müsste. Aber es kommt nicht das nächste Dorf sondern immer wieder nur eine nächste Moräne. Doch irgendwann erklimmt man eine der vielen Moränen und völlig desillusioniert erblickt man plötzlich keine neue Moräne sondern eine weite Senke mit den wenigen Häusern von Gorak Shep (5.160m).
Gegen 11.15 Uhr quartieren wir uns im Kala Pattar Guest House ein. Das Doppelzimmer kostet plötzlich wieder nur 100 Rupien.
Nach dem Mittagessen raffen wir uns auf und nehmen den Kala Pattar in Angriff. Er ist eigentlich gar kein richtiger Berg, sondern nur ein verlängerter Bergrücken des Pumori Ri (7.145 m) mit zwei Erhebungen. Der vordere (südliche) Buckel hat eine Höhe von 5.545 m und der hintere von ca. 5.650 m. Man kann auf den ersten Hügel hinaufsteigen und dann auf dem Grat weiter zum zweiten Buckel gehen. Der Weg ist allerdings von losem Gestein nur so übersät und damit nicht gut zu laufen. Wir sind daher gleich auf den zweiten Buckel aufgestiegen. Da wir nicht so besonders gut dauf waren, dauerte der Aufstieg fast drei Stunden. Anfangs führt der Weg recht steil hinauf, danach folgt ein Flachstück, dann geht es wieder etwas steiler und zum Schluss muss man über kleinere und grössere Gesteinsblöcke kraxeln. Technisch absolut einfach, ein sogenannter "Latschberg", aber die Höhe verlangt ihren Tribut. Vom absolut überlaufenen Gipfel hatte man einen sehr schönen Blick zum Mt. Everest, den Khumbu Icefall und den Nuptse (7.879 m). Da es nun schon kurz vor Sonnenuntergang war, wurden die umliegenden Berge in die wämsten Farben getaucht. Kala Pattar bedeutet "schwarzer Berg". Inmitten der vielen weißen, schneebedeckten Riesen sieht der kleine Hügel auch ziemlich dunkel aus.
Der Abstieg geht dann sehr flott vor sich, wir benötigen lediglich 45 Minuten bis zu unserer Lodge.

Abgestürzter Hubschrauber am Everest Base Camp. Kala Pattar und dahinter Pumo Ri.
Abgestürzter Hubschrauber am
Everest Base Camp (ca. 5.300 m).
Kala Pattar (5.650 m) und
dahinter Pumo Ri (7.145 m).

Sa, 19.11.2005 Am zeitigen Morgen werden wir durch Lärm geweckt. Eine Horde Franzosen ist bereits um drei Uhr nachts in Lobuche aufgebrochen und macht nun in unserer Lodge Frühstück. Und Rücksichtnahme ist bei denen offensichtlich ein Fremdwort. Sie wollen auf den Kala Pattar und anschließend gleich bis Pheriche hinab. Himalaya im Schnelldurchlauf sozusagen.
In 2,5 Stunden ist man am Base Camp des Everest angelangt. Da die Expeditionen zum Mt. Everest im Allgemeinen im Frühjahr und Frühsommer stattfinden, gibt es da eigentlich wenig zu sehen. Zwei abgestürzte Hubschrauber liegen in der Gegend herum, aber ansonsten ist es erstaunlich sauber. Es liegen nicht mehr hunderte von Sauerstoffflaschen und anderer Müll herum, wie man es von früheren Bildern kennt. Vielleicht setzt ja doch bei manchen Leuten ein Umdenken ein. Aber man muss sich fragen, wo hier zwischen den bis zu 15m hohen Eistürmen eigentlich viele Zelte aufgebaut werden können.
Der Weg zurück nach Gorak Shep dauert nur zwei Stunden. Wir schnüren unser Päckchen und machen uns auf den Rückweg hinab nach Lobuche. Nach ebenfalls zwei Stunden sind wir wieder im Alpine Inn angelangt. Hier müssen wir uns erstmal als Schuhmacher betätigen, denn bei unserem Sherpa löst sich eine Sohle vom Stiefel. Glücklicherweise befinden sich in dieser Lodge ein paar gut ausgerüstete Amerikaner. Diese haben superfestes Klebeband, diverse Reinigungsmittel und vor allem Sekundenkleber mit. Dieser sogenannte Super Glue hält auch wirklich super, denn in den nächsten Tagen bis zu unserer Abreise aus Lukla gibt es keine Probleme mit der geklebten Sohle.

So, 20.11.2005 Heute steht uns eine lange Etappe bevor. Eigentlich wollten wir nach Pheriche gehen. Hinzu hatten wir uns schon gegen Pheriche entschieden, und so auch auf dem Rückweg. Wir hatten uns entschlossen, dem Zieleinlauf des Everest-Marathons beizuwohnen. Also packten wir unser Laufprogramm etwas dichter und steckten uns als Etappenziel Pangboche. Wir starteten gegen 8.15 Uhr in Lobuche. In der Memorial Area am Lughla La schauten wir uns noch ein bißchen um. Der anschließende Abstieg war natürlich deutlich einfacher als der lange Anstieg an dieser Stelle auf dem Hinweg.
Im Tal auf dem Weg nach Pheriche bläst uns schon wieder ein kalter und staubiger Wind entgegen. Aber wir haben ja unsere Tücher. In Pheriche (4.240m) sitzen wir wieder in einem schönen und windgeschützten Wintergarten. Hier machen wir von 11.15 bis 12.00 Uhr unsere Mittagspause. Da wir ganz gut vorwärtskamen, haben wir unser Etappeziel dann noch weiter gesteckt. Wir wollen bis Tengboche laufen. Als wir uns den Anstieg vor Tengboche nach obn quälen, höre ich plötzlich im Wald ein Geräusch. Und kurz darauf tritt eines der seltenen Muskdears aus dem Unterholz heraus auf den Weg. Doch natürlich steht es nicht lange da sondern ist schnell wieder unseren Blicken entschwunden.
Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wir unsere Lodge in Tengboche. Wir gehen noch schnell zur Bäckerei und holen uns ein paar Leckereien für den nächsten Tag. Zum Abendessen kommen wir mit einer Studentin aus München ins Gespräch. Sie war für einige Zeit in Marpha nahe des Annapurna, der "Apfelhauptstadt Nepals" und hat dort ein Projekt der TU München betreut. Es wurde eine Abfüllanlage für Apfelsaft aufgebaut.

Ein Tschörten und die Ama Dablam. Eine der zahlreichen Hängebrücken.
Ein Tschörten und die Ama Dablam. Eine der zahlreichen Hängebrücken.

Mo, 21.11.2005 Kurz nach sechs begeben wir uns auf den kalten Weg. Zuvor haben wir uns noch zwei Tassen Nescafe zubereitet. Dazu hatten wir uns bereits am Vorabend heißes Wasser in unsere Thermoskanne füllen lassen. So gestärkt machen wir uns an den Abstieg. Eine Stunde geht es teils steil bergab. Nach der Überquerung des Baches geht es dafür dann wieder weit bergan. Ein Stück vor Namche Bazaar überholt uns bereits der erste Läufer des Everest-Marathons. In Namche steuern wir wieder die uns schon vom Hinweg bekannte Shangri La Lodge an. Den Schlüssel unseres Zimmers geben wir wieder ab, damit unser Träger Pemba unser Gepäck ins Zimmer bringen kann. Für den Rest des Tages haben wir ihm freigegeben. So kann er in sein nahe gelegenes Dorf nachhause gehen. Wir begeben uns indes zum Zielpunkt des Marathons und warten auf den Sieger.
Der Start zu diesem extrem harten Everest-Marathon erfolgt in Gorak Shep, zu Füßen des Mt. Everest auf einer Höhe von 5.160m. Die Strecke ist gleich unserer Wanderstrecke über Lobuche, Pheriche, Tengboche nach Namche Bazaar. Doch hier ist noch nicht das Ziel. Der Weg führt am oberen Ende des Dorfes entlang und wieder hinauf nach Thami (3.800m). Von dort geht es zurück nach Namche Bazaar und erst dann sind die Läufer wirklich am Ziel. Härter können 42km Marathonstrecke wohl kaum noch sein. Da der Start bereits früh um 7.00 Uhr stattfand, war es natürich auch noch ordentlich kalt. Der Sieger brauchte für die Distanz 3h 52min, der letzte lief gegen 17.30 Uhr ein. Die ersten sieben Personen waren Nepali, erst der achtplatzierte war ein Nichtnepali. Zwischendurch versorgen wir uns in Herrmann Hellmers Bäckerei und Konditorei mit leckeren Naschereien und Kaffee.

Di, 22.11.2005 Heute lassen wir uns Zeit und starten erst gegen 9.00 Uhr. In der Bäckerei kaufen wir noch Käsestangen und Yakkäse für unterwegs. Wir steigen ca. eine Stunde lang hinab ins Tal des Dudh Khosi. Im Tale verspeisen wir dann gleich ein Stück des Käses. Kurz darauf passieren wir die Grenze des Nationalparkes bei Monjo. Der Bedienstete im Office kontrolliert unsere Tickets und sucht die zugehörigen Eintragungen in seinem dicken Buch. In Phakding belegen wir wieder ein Zimmer in der Kala Pattar Lodge. Dies war allerdings ein Fehler. Das Personal schien wie ausgewechselt. Die Hot Lemon war dünner als Wasser und der Essenraum blieb lange Zeit ungeheizt. Als dann noch ein Rudel Franzosen in der Lodge einrückte, waren wir Einzelreisende scheinbar nur noch Ballast.

Mi, 23.11.2005 Wir hatten unser Frühstück bereits für 7.00 Uhr bestellt, noch bevor die Franzosen aus Ihren Lagern gekrochen kamen. So waren wir bereits fertig als sie zum Leben erwachten und die Lodgebetreiber konnten uns ihre ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen lassen. Da unser Etappenort Lukla nicht so weit entfernt war, schlenderten wir nur langsam diesem letzten Ort dieses Teils unseres Urlaubes entgegen.
Die Landschaft wirkt hier völlig anders. Es ist viel grüner und viele blühende Blumen bringen Farbtupfer in die Umgebung. Auch wenn die Blumenkübel ein klein wenig anders aussehen als bei uns, so verwenden doch die Leute Zeit und Liebe zur Bepflanzung derselben. Ob es nun aufgeschnittene Kanister oder große Blechdosen sind, als Planzkübel wird alles verwendet was irgendwie in der Lage ist, Erde aufzunehmen.
Wir nutzten eine Hängebrücke im "Local Style" und kurz darauf eine brandneue Brücke. Sie wurde erst im Oktober 2005 fertiggestellt und am 20. November 2005, also nur drei Tage vorher, offiziell eingeweiht. So erreichten wir unseren vorläufigen Endort bereits gegen 11.00 Uhr. Wir bezahlen unseren Träger und verabschieden ihn.
Am Nachmittag streifen wir noch ein bißchen durch den Ort. Im Büro der Vereinigung Porters Progress schauen wir uns einen Film der BBC über die Arbeit und das Leben der Träger an. Diese Organisation hat es sich zum Ziel gesetzt, eine Art Gewerkschaft der Träger zu sein. Diese können hier auch Material ausleihen, damit sie für ihren Dienst in den Bergen gerüstet sind. Viele Träger sind einfache Bauern aus den tieferen Regionen Nepals und schon von der Kleidung her nicht für große Höhen ausgerüstet. Wir hinterlassen als kleine Spende ein Paar Bergstiefel, welche wir als Ersatz mit hatten.
Am kleinen Flugplatz entdecken wir eine Bäckerei, in der wir uns mit frischen Keksen eindecken.

Do, 24.11.2005 Wir stehen 5.30 Uhr auf, packen unsere Sachen und machen uns auf den fünfminütigen Weg zum Flughafen. Wir sind die ersten Gäste und werden höflich von den Soldaten am Eingang begrüßt. Der Himmel ist klar und so sollte einem pünktlichen Abflug nichts im Wege stehen. Sollte. Es hieß, dass in Kathmandu dichter Nebel herrsche und damit vorerst kein Flieger kommen werde. Also warten. Der Warteraum ist voll, dunkel und kalt. Als die Sonne ein Weilchen auf die Parkplätze für die Flugzeuge geschienen hatte, wurden die Türen geöffnet und wir bekamen "Freigang". In der Sonne war es doch etwas angenehmer. Nach einer reichlichen Stunde des Wartens draußen wurde die ganze Herde dann wieder hineingetrieben.
Wir waren für den zweiten Sita Air Flug gebucht. Das erste Flugzeug war Sita Air, dann kam noch Buddha und Yeti Air. Irgendwann kam dann auch die zweite Sita Air Maschine. Nachdem viele Reissäcke ausgeladen waren konnten wir das Flugzeug entern. Gegen 10.20 rollten wir dem Start entgegen. Die Sicht war gut und so wurde viel fotografiert. Nach der Landung in Kathmandu bestiegen wir den auf dem Rollfeld wartenden Bus der Sita Air. In diesem stand schon die erste unserer Taschen. Diese sollte aber auch für einige Zeit die einzige bleiben, denn die zweite, leuchtend gelbe Tasche blieb vorerst unauffindbar. Auch die nächsten Maschinen aus Lukla brachten Sie nicht mit. Die Zeit verrann und unser Weiterflug nach Pokhara war geplatzt. Irgendwie sickerte dann die Meldung durch, dass die Tasche gefunden worden wäre und sich in einem Hotel in Kathmandu befinden würde. Wahrscheinlich hat eine Gruppe alles angesackt und in den Bus gepackt, was sie greifen konnten. Ohne allerdings darauf zu achten, ob das Gepäck auch zu dieser Gruppe gehört. Jedenfalls brachte dann ein Bediensteter die Tasche und wir waren wieder glücklich vereint.
Nun erwies es sich als günstig, dass wir für unsere anderen Flüge offene Tickets hatten. Schnell war auf den nächsten Flug nach Pokhara umgebucht und nach ein paar Stunden weiteren Wartens flogen wir in einer 33-sitzigen Saab 340 wieder an den schneebedeckten Bergen des Himalaya entlang. Ausser uns beiden waren noch drei weitere Passagiere, zwei Stewardessen und zwei Piloten an Bord. In Pokhara nahmen wir beide Taschen in Empfang und fuhren mit dem Taxi zum unweit gelegenen Hotel Kantipur. Hier haben wir schon ein Jahr zuvor nach unserer Annapurna-Runde residiert. Wir nehmen ein Zimmer mit Bad, ohne Klimaanlage (so heiß wird es in dieeser Jahreszeit nicht mehr) für 20,- USD inklusive Frühstück. Da wir aber am nächsten Morgen zeitig weg müssen, bestellen wir an Stelle des Frühstücks ein Lunchpaket. In den verbleibenden Stunden des Abends wandeln wir noch etwas durch die Geschäfte des Viertels Lakeside und enden im Fewa Lake Restaurant, unserem Stammlokal des vergangen Jahres.

Fr, 25.11.2005 In einem Taxi des Hotels werden wir zum Flughafen gebracht. Laut Ticket sollten wir dort um 5.30 Uhr erscheinen, aber das Gebäude ist noch dunkel und das Tor verschlossen. Irgendwann öffnete ein Soldat jedoch das Tor und wir konnten mit einigen anderen Wartenden hinein. Die Abfertigung ging erstaunlich schnell und so saßen wir bereits zur geplanten Abflugszeit um 6.30 Uhr im Warteraum. Über Pokhara aber lag eine dichte Nebelschicht und so mußten wir warten, warten und warten. Die Wartezeit verkürzten wir uns mit Gesprächen mit einem holländischen Pärchen, welches für vier Monate durch verschiedene Staaten Asiens tourt.
Gegen 10.15 Uhr schwebten wir dann endlich dem Himmel entgegen. Wieder war es eine kleine Dornier 228, welche uns unserem nächsten Ziel näherbrachte. Vorbei an dem wunderschönen Machapuchare (Mt. Fishtail), und zwischen Dhaulagiri und den Annapurnas hindurch landen wir nach einem 20-minütigem Flug in Jomsom. Am Ausgang des Flughafens möchte ein Polizist das Permit für die Annapurna-Region sehen. Da wir keines haben, begnügt er sich mit unserem Pass. An einer Lodge heuern wir einen Träger an, der unser Gepäck für 500,- Rupien transportiert. Wir verlassen Jomsom in Richtung Marpha. In der entgegengestzten Richtung würde man am Ende des Flughafengeländes an einen Kotrollposten des ACAP kommen. Hier werden die Permits für diese Region kontrolliert. Sie sind in Kathmandu oder Pokhara für 2000,- Rupien zu kaufen. Wer in der Region ohne Permit an eine Kontrollstelle kommt, kann zwar auch noch ein Permit kaufen, das kostet dann aber schon 4000,- Rupien! Da wir den Bürokraten nicht so viel Geld in den Rachen werfen wollen, vermeiden wir diese Kontrollstelle also.
Auf bzw. neben der Piste der im Bau befindlichen Strasse laufen wir in drei Stunden nach Tukuche. Natürlich kauften wir zwischendurch in Marpha einen Apfelsaft, hergestellt auf der Anlage der TU München. Der ist auch wirklich lecker und absolut empfehlenswert. Ist nur zu hoffen, dass sich die eingewiesenen Nepali auch an die Anweisungen halten und nicht aus Gründen der Energieeinsparung die Temperaturen von 85°C auf z.B. 50°C herabsetzen. Denn dann war es das mit der Haltbarkeit... Abgefüllt wird in Flaschen, die gerade verfügbar sind. Unser Apfelsaft war in einer Flasche, auf der Tuborg Beer ins Glas geprägt war.
In Tukuche (2.580m) quartierten wir uns im High Plains Inn (Dutch Bakery) der Nepalesin Punja und ihrem holländischen Mann Patrick ein. Auf diese Lodge waren wir gestoßen, als wir ein Jahr zuvor aus dem Schneesturm geflüchtet waren und ein Dach über dem Kopf gesucht hatten. Wir überlegten nicht lange und bestellten gleich Filterkaffee und zwei Stücken des besten Apfelkuchens der Welt. Als Patrick heimkam, besprachen wir den Schlachtplan für die nächsten Tage. Das Gepäck wurde noch ein wenig umgepackt und nach einem Gespräch mit einem irischen Paar entschwanden wir ins Traumland.

Sa, 26.11.2005 Gegen 8 Uhr brechen wir mit Patrick und einer Schar von sechs Trägern zu einem weiteren Versuch der Besteigung des Dhampus Peak auf. Am Yak-Hotel biegen wir in eine Seitenstrasse ein und laufen durch einen immer enger werdenden Taleinschnitt bergan. Wir treten durch eine Holzpforte und gelangen auf ein Plateau mit vielen Apfelbäumen. Hier ist wohl auch der Ursprung des Tukuche-Apfelbrandy. Anschließend wird der Weg immer steiler und man läuft an einer Steilwand empor. Wenn man diese von weitem sieht, kann man sich kaum vorstellen, dass dort ein Weg hinaufführt.
Weiter geht es dann über eine Art Hochebene, wobei das Wort Hochebene etwas fehl am Platz ist. Jedefalls ist es dort nicht mehr ganz so steil und das Gelände erinnert an eine Almwiese. Nach einem Aufstieg von etwa 1.380m gelangen wir an einen sehr windigen Platz, Yakharka genannt (N28°44'09,5" / EO83°38'59,4" / 3.960m). Auf diesen Yakweiden haben sich die Hirten ein paar Mäuerchen errichtet, so dass man vor dem Wind wenigstens etwas geschützt ist. Hier bauen wir unsere Zelte für die Nacht auf. Von diesem schönen Fleck Erde hat man natürlich einen hervorragenden Blick auf das gegenüberliegende Massiv des Nilgiri (bis 7.061m). Dieses erstrahlt in goldenen Farben, als die Sonne hinter dem Dhaulagiri (8.167m) versinkt.

Terrassen über dem Kali Gandaki Tal. Der Tukuche Peak.
Terrassen über dem Kali Gandaki Tal
gegenüber von Tukuche.
Der Tukuche Peak (6.920m).

So, 27.11.2005 Heute ist erster Advent. Die ganze Nacht hindurch hat es gestürmt. Auch der Morgen, der normalerweise relativ windstill ist, ist alles andere als das. Wir bekommen Tee und Pancakes ans "Bett" gebracht und frühstücken im Zelt. Dann ist alles schnell zusammengepackt und wir starten zur zweiten Etappe. Über Gras, lockeren Schotter und später auch Schnee geht es teils steil bergan. Und dazu immer dieser heftige Wind. Na ja, wenigstens ist blauer Himmel und die Sonne prasselt auf uns herab. Gegen 13 Uhr erreichen wir die Stelle, wo wir übernachten wollen (N28°45'51,8" / EO83°38'04,5" / 4.900m). Wir suchen eine ganze Weile, bis wir einen geeigneten Platz für unsere Zelte gefunden haben. Da wir keine Schneeanker o. ä. mithaben, brauchen wir etwas festen Grund für die Heringe. Einige schwere Steine helfen auch, das Zelt mit den Leinen zu sichern. Wir machen einen kleinen Mittagsschlaf und da erster Advent ist, teilen wir unseren eigens für diesen Tag mitgebrachten kleinen Stollen auf.

Mo, 28.11.2005 Die Nacht war sehr kalt und so wurden die Grenzen unserer Schlafsäcke ausgetestet. Die Füsse wurden dabei schon etwas kalt. Da heute nur ein relativ kleines Wegstück auf dem Plan stand, sind wir erst gegen 10.45 Uhr losmarschiert. Wenigstens wird man um diese Zeit schon ordentlich von der Sonne gewärmt. Wir kamen jedoch nur langsam voran und waren deswegen doch drei Stunden unterwegs, bis wir den Platz für das Ausgangslager zur Erstürmung des Berges erreichten. Der Schnee war glücklicherweise mit einem harten Panzer überzogen, so dass man relativ selten eingebrochen ist. Auch war er so griffig, dass man keine Steigeisen zum Laufen benötigte. Am Lagerplatz (N28°46'50,5" / EO83°35'59,8" / 5.000m) haben einige Gruppen ihren Müll liegenlassen, sogar zwei Klapptische fanden sich darunter. Unsere guten Geister bereiten Tee und Pfannkuchen für uns müden Wanderer zu. Am Nachmittag packen wir unsere Rucksäcke für den Gipfelsturm. Es wird noch Wasser gekocht, damit die Thermosflaschen mit frischem Tee gefüllt werden können. Dann sinken wir in einen sehr unruhigen Schlaf.

Di, 29.11.2005 Kurz vor fünf klingelt der Wecker. Direkt über uns glitzert nicht der Sternenhimmel, sondern die Eiskristalle im Schein meiner Stirnlampe im Inneren des Zeltes. Das Thermometer an meinem Rucksack zeigt -11°C, draussen werden es natürlich noch einige Grad weniger sein. Schließlich pellen wir uns doch aus den wärmenden Schlafsäcken in die kalte Nacht. Nachdem wir uns in mehreren Schichten Klamotten warm eingepackt, etwas gegessen und schließlich auch die Steigeisen angelegt haben, ist es doch schon fast sechs geworden. Nach nur etwa zehn Minuten Laufen fällt mein Motor aus und ist nur durch die Zufuhr eines Stückes Käse wieder in Gang zu bringen.
Wir laufen mit kurzen Pausen bis auf eine Höhe von ca. 5.500m, welche wir gegen 10 Uhr erreichen. Von hier sieht man auch noch den ganzen Weg bis zum Gipfel. Da der bisherige Aufstieg schon viel Kraft gekostet hat, entscheiden wir uns zur Umkehr. Vielleicht hätte ich den Gipfel in einem Kraftakt erreicht, aber dann wären die Kraftreserven für den Rückweg gefährlich gering gewesen. Der Gipfel ist eben immer nur der halbe Weg! Es ist zwar schade, dass wir uns bei diesem herrlichen Wetter - knallblauer Himmel, Sonne und kaum Wind - so entscheiden, aber Sicherheit geht vor. Und der Berg steht schliesslich auch noch ein paar Jahre, so dass man später vielleicht nochmal einen Versuch starten kann. Also machen wir uns an den Abstieg zum Lager.
Der geht natürlich flott und schnell werden im Lager alle Sachen zusammengepackt. Als wir dann am vorhergehenden Lager angelangt sind, erwarten uns schon Nudeln und heißer Jasmintee. Auch hier werden die zwei noch stehenden Zelte verstaut und weiter geht der Weg nach unten. Wir starten in diesem Lager gegen 15.45 Uhr, laufen erst noch einen kleinen Anstieg im Schnee und dann geht es nur noch abwärts. Über Schootter, grüne Almwiesen, durch bei einem Waldbrand verkohlten Wald, eine Apfelplantage und schließlich noch durch einen tiefen Taleinschnitt. Auf dem letzten Teil des Weges benötigen wir dann auch schon unsere Stirnlampen, denn die Sonne war schon lange hinter den Bergen versunken. Zuvor tauchte sie noch die gegenüberliegende Nilgiri-Gruppe in tiefes Rot, was natürlich die Fotoapparate mehrfach zum Klicken brachte.
Kurz vor halb acht erreichen wir unsere Lodge in Tukuche. Wir stärken uns mit Sanddornsaft und heißem Apfelkuchen, DER Spezialität des Hauses. Schon gegen 20.30 Uhr fallen wir, erschöpft durch den fast 3.000m-Abstieg, in unsere Betten.

Die Aufstiegsflanke am Dhampus Peak. Das Kali Gandaki Tal bei Tukuche.
Die Aufstiegsflanke am Dhampus Peak. Das Kali Gandaki Tal bei Tukuche.

Mi, 30.11.2005 Nach dem Dutch Breakfast mit gutem Filterkaffee, Honig, Marmelade, Käse und Spiegelei brachten wir erst einmal ein klein wenig Ordnung in unsere Klamotten. Auch kleines Wäschewaschen war angesagt.
Es folgte ein Spaziergang durch den Ort Tukuche. Erst ein Besuch in der Destillerie, wo wir ein paar lokal gebrannte Schnäpse ausprobiert haben. Einen Apfelbrandy haben wir dann auch gekauft. Auf schmalen Stegen und über das Kiesbett erreichen wir die andere Seite des Flusses. Hier stehen nur ein paar halb verfallene Hütten, aber jede Menge Wege gehen von dieser Querung ab. Von dieser Seite des Tales kommt auch das meiste Feuerholz für Tukuche. Die Hänge sind wesentlich dichter und höher bewaldet als auf der Dorfseite des Tales.
Immer wieder sind Detonationen zu hören. Diese werden wohl wegen des Baus der Straße gewesen sein. Auf dem Rückweg gehen wir an ummauerten und mit einer Dornenkrone versehenen Gärten entlang. Meist stehen darin Apfelbäume, etwas Mais und diverses Gemüse, aber auch viele leuchtende Blumen. Leider scheinen auch viele Leute aus Tukuche weggezogen zu sein, denn abseits der Hauptstrasse sieht man einige verfallene Gebäude.
In der örtlichen, staatlichen, kostenlosen Schule überreichen wir unsere kleine Spende von Kugelschreibern, Buntstiften und Heften. In der Schule gibt es 10 Klassen, 16 Lehrer und ca. 200 Schüler. Zurück in der Lodge genießen wir den frisch gepressten Apfelsaft und das durch die Sonne aufgewärmte Zimmer mit Blick auf den Dhaulagiri. Zeit für eine heiße Dusche...

Do, 1.12.2005 7:00 Uhr klingelt der Wecker. Nach einiger Besinnungszeit stehen wir auf und gönnen uns wieder das leckere Dutch Breakfast. Danach werden die Sachen gepackt und die Rechnung beglichen. Purna hat für uns einen Träger bestellt, der gegen 10:00 eintreffen soll. Die Zeit ist in Nepal natürlich nicht so ganz bindend aber so gegen halb elf sind wir wieder auf dem Weg in Richtung Jomsom. Teils gehen wir auf der neuen Strasse, teils aber auch glücklicherweise über alte Pfade.
In Marpha treffen wir auf den ersten Pickup in dieser Gegend. Die Strasse hat ja noch keinerlei Verbindung zur Außenwelt, also muss dieser Mitsubishe 4WD mit dem Hubschrauber hierher bebracht worden sein. Ein paar Traktoren und Motorräder gab es ja auch letztes Jahr schon hier, aber noch kein Auto. Ob dieser Fortschritt wirklich gut für dieses Tal ist, wage ich allerdings zu bezweifeln. Denn wenn eines Tages die Straße fertig sein sollte, so kommen dann auch die Busse mit Touristen hier hinauf.
In Jomsom quartieren wir uns gleich neben dem Flughafen im Xanadu ein. Die Zimmer kosten 200,- Rupien ohne und 500,- Rupien mit Bad. Am Nachmittag besuchen wir noch das Mustang Eco Museum am südlichen Ortsrand von Jomsom. Hier gibt es kultur- und erdgeschichtliches zur Region zu sehen. Außerdem wird ein 30-minütiger Film über ACAP gezeigt. Dieser ist allerdings ziemliche Eigenwerbung und daher nicht ganz ernst zu nehmen.

Fr, 2.12.2005 Wir stehen frühzeitig auf, da auf den Flugtickets 5:50 als Reporting Time steht. Das erscheint uns schon ziemlich zeitig und tatsächlich macht der Flughafen auch erst 6:30 auf. Das aufgegebene Gepäck wird sehr oberflächlich kontrolliert, das Handgepäck dafür peinlich genau. Der Apfelbrandy und die Gipfelsteine dürfen nicht im Handgepäck sein und müssen noch nachträglich im Hauptgepäck verstaut werden. Dann heißt es wieder: Warten. Das Wetter ist sehr schön, aber wahrscheinlich hängt in Pokhara wieder der Morgennebel.
Nach einiger Zeit des Wartens im kalten Flugplatzgebäude tauchen plötzlich zwei Maschinen der Cosmic Air und Royal Nepal Airlines auf. Die haben ein kleines Fenster im Nebel genutzt, um von Pokhara wegzukommen. Gegen 9.00 Uhr kommt dann doch Bewegung in die Halle. Wir starten Richtung Norden, drehen eine weite Schleife über Kagbeni und fliegen durch das Kali Gandaki Tal nach Süden. Wir überfliegen Tukuche und sehen nochmal den Weg zum Dhampus Peak. Als wir in Pokhara landen, hängt noch immer Nebel über der Piste. Wie wir nachträglich erfuhren, hatte Cosmic Air seine Inlandsflüge kurze Zeit aussetzen müssen. Der einzige Kerosinabieter Nepals (NOC, Nepal Oil Corp) hatte seine Lieferungen wegen unbezahlter Rechnungen eingestellt.
Vor dem Gebäude des Flughafens steht ein Jeep der Armee mit aufgebautem Maschinengewehr. Ein unwirtlicher Empfang. Allerdings werden wir an diesem Tag noch sehr häufig Armee-, Polizei- und UN-Streifen sehen. An diesem Tag lief der dreimonatige Waffenstillstand mit den Maoisten aus. Allerdings wurde dieser am gleichen Tag um einen Monat verlängert. Aber eine gewisse Spannung in der Luft war sehr wohl zu spüren. Nach dem Einquartieren im Hotel Kantipur ziehen wir noch ein bißchen durch das Touristenviertel Lakeside. Und ein heißes Bad ist auch mal wieder sehr angenehm.

Die Fishtail-Lodge in Pokhara. Die Fishtail-Lodge in Pokhara.

Sa, 3.12.2005 Heute ist so ein richtiger Faulenztag. Wir spazieren etwas durch Pokhara, lassen uns von einer Bank am See zum Verweilen einladen und lassen uns mit der durch Menschenkraft betriebenen Fähre zur Fishtail-Lodge übersetzen. Hier speisen wir mit Blick auf den Machhapuchhare (Mt. Fishtail) zu Mittag. Die Anlage der Lodge ist sehr gepflegt, Palmen und zahlreiche Hecken und Blumen zieren den saftig grünen Rasen. Genächtigt werden kann in diversen Bungalows.

So, 4.12.2005 Für den Rückweg nach Kathmandu haben wir uns für den Bus entschieden. In nur reichlich zehn Minuten gelangen wir zu Fuß vom Hotel zum Tourist Bus Park. Hier wird man natürlich von Händlern empfangen, die uns ein Frühstück verkaufen wollen. Aber wir haben bereits wieder ein Paket von unserem Hotel bekommen. So können wir während der Wartezeit auf den Bus ein kleines Frühstück und den Sonnenaufgang genießen. Die schneebedeckten Berge des Himalya werden langsam in rötliches Morgenlicht getaucht und der Nebel läßt auch eine Menge Lücken, damit man die Berge sehen kann. Gegen Mittag wird an einer Ferienpark Halt gemacht und die Lunch-Coupons können an einem reichhaltigen Büffet eingelöst werden. Nach der etwa achtstündigen Fahrt bringt uns ein Taxi zu unserem International Guest House im quirligen Thamel.

Mo, 5.12.2005 Am Morgen packen wir und verstauen unsere Sachen in den Reisetaschen. Diese hinterlassen wir vorerst im Hotel. Den Tag verbringen wir dann nochmals in den Geschäften von Kathmandu, bevor uns am Nachmittag ein Auto des Hotels zum Flughafen bringt.

Rückflug: Am Flughafen geht alles erstaunlich reibungslos und relativ flott vonstatten. Doch dann, als wir durch alle Kontrollen hindurch waren und in der letzten Wartehalle sitzen, geht nichts mehr. Unser Flug wird nicht aufgerufen. Nach einiger Zeit des Wartens kommen wir dann doch irgendwann an die Reihe und können in den Flieger einsteigen. Dies heißt aber noch lange nicht, das dieser auch startet. Wir sitzen noch etwa zwei Stunden im Flugzeug, weil irgendwelche Papiere fehlen. Theoretisch sind unsere Anschlußflüge schon weg, als wir endlich zum Start rollen. Von Kathmandu fliegen wir in der Dunkelheit in Richtung Abu Dhabi. Da offensichtlich eine ganze Menge Passagiere weiterfliegen wollten, hat unser Flugzeug nach Bahrain in Abu Dhabi gewartet. So sind mir die Flughäfen am liebsten: Aus dem einen Flieger raus und in den nächsten rein, ohne jegliche Wartezeit.

Di, 6.12.2005 Wir machen als nächstes einen kurzen, nächtlichen Hopser nach Bahrain. Auch hier hat der Anschlußflug gewartet und ein Aufenthalt bleibt uns erspart. Mit nur noch wenig Verspätung landen wir am frühen Morgen des Nikolaustages in Frankfurt. Nun folgt das bange Warten am Gepäckband. Doch auch unser Gepäck hat den hektischen Flug gut hinter sich gebracht und ist mit uns in Frankfurt angekommen. Mit dem Zug geht es dann weiter nach München und Unterschleißheim. Am nächsten Tag bringt mich dann ein Flieger der dba nach Dresden und mit der S-Bahn fahre ich schließlich ins heimische Pirna.

Reiseveranstalter Dies war eine größtenteils privat organisierte Reise. Für die Besteigung des Dhampus Peak oder auch einiger anderer Touren sei folgende Adresse empfohlen:
HIGH PLAINS ADVENTURES Tukuche, Mustang, Nepal www.highplainsinn.com
HIGH PLAINS ADVENTURES Tukuche, Mustang, Nepal
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Nepal.de - deutschsprachiges Nepal-Portal www.nepal.de
deutschsprachiges Nepal-Portal
Weitere Infos über Nepal gibt es unter anderem hier:
Nepal.com - Your window on Nepal www.nepal.com
Your window on Nepal
TREKINFO.COM www.trekinfo.com
Information on arranging walking trips in the Himalayan Kingdom of Nepal
NEPALNEWS - News from Nepal as it happens www.nepalnews.com
NEPALNEWS - News from Nepal as it happens
nepalboard.de www.nepalboard.de
Deutschsprachiges Forum zu Nepal

Literatur- und Filmtipps:

  1. Trekking in the Nepal Himalaya, Stan Armington, Lonely Planet, ISBN 1-86450-231-2
    Das Beste, was es auf dem Büchermarkt zum Trekking in Nepal gibt.
  2. Nepal-Handbuch, Reise Know-How, R. Krack, Peter Rump Verlag, ISBN 3-89416-836-6
  3. Nepal: Annapurna, Iris Kürschner, Outdoor Handbuch aus der Reihe Der Weg ist das Ziel, Band 42, Conrad Stein Verlag, ISBN 3-89392-342-X
  4. Karte: Around Annapurna Pocket Map, 1:200.000, praktisch für die Hosentasche und für den schnellen Überblick völlig ausreichend, gibt es in Nepal zu kaufen
  5. Karte Annapurna, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft für vergleichende Hochgebirgsforschung, München, Vertrieb über Nelles, 1:100.000, äußerst empfehlenswert und sehr genau
  6. Rund um den Annapurna, Andrew Stevenson, Sierra Taschenbuch, ISBN 3-89405-120-5, Beschreibung einer mehrmonatigen Trekkingtour
  7. Karte Khumbu Himal, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft für vergleichende Hochgebirgsforschung, München, Vertrieb über Nelles, 1:50.000, äußerst empfehlenswert und sehr genau
  8. Sieben Jahre in Tibet, Heinrich Harrer, Ullstein Taschenbuchverlag, ISBN 3-548-35753-9, erzählt wird sein Leben am Hofe des damals noch jugendlichen Dalai Lama.
  9. Einführung in den Buddhismus - Die Harvard-Vorlesungen, XIV. Dalai Lama, Herder spektrum, ISBN 3-451-04946-5

Wenn die beiden letzten Bücher auch nicht direkt Nepal behandeln, so sind sie zum Verständnis der buddhistischen Lebensweise doch ganz nützlich.

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www.lutz-hauptmann.net